2003-04-04
Irak-Krieg: Wie die Alliierten versuchen, die Sprachbarriere zu überwinden
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums besitzen die einzelnen militärischen Einheiten keine eigenen Dolmetscher. Allerdings könne jeder Soldat kurze Befehle oder Hinweise auf Arabisch geben. Dies reiche in den meisten Fällen vollkommen aus. Längere Gespräche mit irakischen Zivilisten seien meist nicht erforderlich. „Im Notfall kann auch ein Wörterbuch helfen.“ 
    Wenn eine schwierigere Konversation notwendig wird, können nach Angaben des US-Zentralkommandos professionelle Übersetzer angefordert werden. 
    Diese werden durch Angehörige der „Free Iraqi Forces“ (FIF) unterstützt, den von den USA im ungarischen Taszár ausgebildeten Exil-Irakern (das Übersetzerportal berichtete). 
    Statt wie geplant 3.000 wurden in Taszár jedoch bislang nur 74 Verbindungsleute ausgebildet. Die irakischen Oppositionsgruppen konnten ihre vollmundigen Versprechen, mehrere tausend Personen zur Verfügung zu stellen, nicht halten.
    Die wenigen im Einsatz befindlichen FIF-Angehörigen haben sich jedoch schnell unentbehrlich gemacht. „Sie sind eine große Hilfe, besonders beim Dolmetschen und bei der Übersetzung von Dokumenten, die wir beschlagnahmt haben. Außerdem sind sie mit der Mentalität der Bevölkerung vertraut. Die Einheimischen haben deshalb keine Hemmungen, sich den FIF-Mitarbeitern zu offenbaren“, erklärt Capt. Peter Tabash, Civil Affairs Officer, 4th Civil Affairs Group (CAG). 
    Um Missverständnisse zwischen Einheimischen und Besatzern zu vermeiden, haben die amerikanischen und britischen Truppen zusätzlich eine etwa 50 Seiten starke „Benimm-Fibel“ erhalten. Die Soldaten bekommen darin allgemeine Tipps zu Geschichte, Kultur und Bräuchen im Irak sowie Hinweise über Dinge, die man in einem islamischen Land lieber unterlassen sollte.


Mousa al Mousa, in Taszár ausgebildeter FIF-Dolmetscher, im Einsatz bei der 4th Civil Affairs Group der Amerikaner

[Text: Richard Schneider. Quelle: Tagesspiegel 2003-04-04, Los Angeles Times 2003-03-29, Centcom. Bild: www.centcom.mil.]