2003-04-22
Nordkorea: Übersetzungsfehler gefährdet Weltfrieden
Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA hat in englischer Sprache eine Meldung verbreitet, die angesichts des seit Monaten schwelenden Atomstreits zwischen den USA und Nordkorea von höchster Brisanz ist. 
    Die Agentur berichtete unter Berufung auf einen Sprecher des Außenministeriums, das Land habe mit der Wiederaufarbeitung von mehr als 8.000 atomaren Brennstäben begonnen. Die Arbeiten befänden sich bereits „in der Endphase“. Weiter heißt es: „Der Irak-Krieg lehrt, dass es erforderlich ist, über eine schlagkräftige Abwehrwaffe zu verfügen, um einen Krieg zu verhindern und um die Sicherheit und Souveränität eines Landes zu verteidigen.“
    Aus 8.000 wiederaufgearbeiteten Brennstäben könnte Nordkorea waffenfähiges Plutonium für sechs bis acht Atombomben gewinnen.
    Angesichts der Bedeutung der Meldung haben Experten aus den USA, Südkorea und Japan den koreanischen Ausgangstext unter die Lupe genommen. Einhellige Meinung: Aus dem Originaltext gehe nicht hervor, dass Nordkorea bereits mit der Aufarbeitung der Brennstäbe begonnen habe. Auf Koreanisch könne die Meldung auch bedeuten, dass die Wiederaufarbeitung erst beginnen solle. Möglicherweise sei das entscheidende Wort aus dem Koreanischen falsch übersetzt worden. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte: „Offen gesagt ist nicht eindeutig klar, was die Stellungnahme bedeutet.“
    Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea hatte sich im Oktober 2002 verschärft, nachdem Washington Pjöngjang beschuldigt hatte, ein geheimes Atomprogramm zu unterhalten. Die USA und ihre Verbündeten stellten daraufhin ihre Öllieferungen ein. Nordkorea reagierte mit dem Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag und der Ausweisung der Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Welt 2003-04-18, Der Spiegel 2003-04-19, n-tv 2003-04-19. Bild: Archiv.]

Nordkoreas Staatschef 
Kim Jong Il