2003-04-24
VVDÜ kritisiert Einsatz unqualifizierter Dolmetscher vor Hamburger Gerichten: „Fairer Prozess in Gefahr“
Victor Lopéz (60) ist Vorsitzender des 110 Mitglieder starken Vereins der vereidigten Dolmetscher und Übersetzer (VVDÜ) in Hamburg. In einem Zeitungsinterview weist er darauf hin, dass vor Gericht zunehmend Übersetzer eingesetzt werden, die nicht öffentlich bestellt sind. Durch fehlerhafte Übersetzungen unqualifizierter und für die Sprachmittlertätigkeit ungeeigneter Personen könne in einigen Fällen der faire Prozess in Gefahr sein.
    Eigentlich ist alles ganz vernünftig geregelt: Das Hamburger Dolmetschergesetz von 1986 sieht eine Fachprüfung für „öffentlich bestellte und generell vereidigte Dolmetscher“ und deren Aufnahme in das bei der Innenbehörde geführte Verzeichnis vor. Und die Bürgerschaft hat den Behörden und staatlichen Stellen empfohlen, vorrangig auf die im Verzeichnis aufgeführten Personen zurückzugreifen. Trotzdem muss der VVDÜ feststellen, dass die Gerichte dies ignorieren.
    Die Konkurrenz der Unqualifizierten wird für die Qualifizierten offenbar zunehmend zum Problem. Lopéz: „Einige von uns haben nun Einbußen von mehr als 40 Prozent.“
    Niels Focken, Sprecher des Oberlandesgerichts, weist die Vorwürfe kategorisch zurück: „Das ist völliger Unsinn und blanker Futterneid.“ Es gebe generell „gute und schlechte vereidigte Dolmetscher“. 
    (Anmerkung des Übersetzerportals: Wenn dem so ist, warum verzichtet man dann nicht auch bei Gerichtssprechern auf Qualifikationsnachweise? Schließlich gibt es generell gute und schlechte Gerichtssprecher. Und sprechen kann doch eigentlich jeder.)
    Den vollständigen Artikel können Sie im Hamburger Abendblatt lesen.
[Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.]
[Text: Richard Schneider. Quelle: Hamburger Abendblatt 2003-04-22. Bild: Stadt Hamburg.]