2003-06-10
UN-Dolmetscher in Georgien verschleppt. Entführer fordern Lösegeld
In der entmilitarisierten Zone zwischen Georgien und der abtrünnigen Region Abchasien sind vier UN-Mitarbeiter entführt worden. Es handelt sich um zwei Deutsche, einen Dänen und ihren georgischen Dolmetscher. Die Geiselnehmer halten ihre Opfer in einem schwer zugänglichen Dorf des oberen Kodori-Tals versteckt und fordern Lösegeld. 
    Bei dem Überfall waren auch vier russische Soldaten in die Hände der Entführer geraten. Sie wurden entwaffnet und kurz darauf wieder freigelassen, denn Russland zahlt grundsätzlich kein Lösegeld.
    Abchasien hatte sich 1992 für unabhängig erklärt. Anschließend brach ein Krieg zwischen Georgiern und Abchasen aus, bei dem sich rund 10.000 Menschen gegenseitig umgebracht haben. Seit 1994 herrscht ein Waffenstillstand, der von 100 UNO-Beobachtern und einer Friedenstruppe der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) überwacht wird.
    Die Bundeswehr ist mit 11 Soldaten an der UN-Mission beteiligt, für die sie seit 1994 die medizinische Versorgung sicherstellt. 
    In den vergangenen Jahren waren schon mehrfach UN-Beobachter entführt worden, die jedes Mal nach Verhandlungen wieder freigelassen wurden.

Nachtrag 2003-06-11:
Die vier Geiseln sind wieder frei, ihr Gesundheitszustand ist stabil. Nach Angaben der UNO wurde kein Lösegeld gezahlt. Der georgische Dolmetscher der drei Militärbeobachter sagte nach der Freilassung, die Geiselnehmer hätten ihre Opfer „normal“ behandelt. Der deutsche Verteidigungsminister Struck erklärte, die Entführer hätten die Geiseln am Dienstag in den schwer zugänglichen Bergen des oberen Kodori-Tals zurückgelassen, nachdem ihnen freies Geleit für die Flucht zugesichert worden war.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Handelsblatt, 2003-06-06; Berliner Morgenport, 2003-06-06; n-tv, 2003-06-05; Heidenheimer Presse, 2003-06-10; n-tv, 2003-06-11. Bild: n-tv.]


Georgisches Militär sucht nach den Entführten