2003-07-05
Peter Eisenberg: „Es ist ein großes Sprachen-Sterben im Gang“
In einem Zeitungsinterview beschreibt Prof. Dr. Peter Eisenberg Ursprung und Geschichte des Wortes „Globalisierung“ im Deutschen und anderen Sprachen und erklärt, warum Esperanto scheitern musste. 
    Auf die Frage, ob das Deutsche durch Globalisierung und Anglophonisierung in seinem Bestand gefährdet ist, antwortet er:
Nein. Die deutsche Sprache gehört zu den großen Sprachen, wird von hundert Millionen Menschen gesprochen. Es gibt sehr viele Sprachen, die im Augenblick sterben – jene, die von vielleicht nur noch 5.000 Mündern gesprochen werden. Es ist ein großes Sprachen-Sterben im Gang. Das Deutsche wird davon in absehbarer Zeit nicht betroffen sein. 
    Aber es wird wie alle anderen Sprachen zunächst mal in seiner Universalität beeinträchtigt werden. Das ist durchaus kritisch zu sehen. Aber dies betrifft nicht nur das Deutsche, sondern grosso modo alle Sprachen außer dem Englischen. Es betrifft die französische und auch die spanische Sprache, wenngleich mit etwas anderen Voraussetzungen, weil Spanisch auf dem amerikanischen Kontinent eine große Bastion hat.
    Aber es gibt jetzt schon bestimmte Fachwortschätze – und die Tendenz wird sich verstärken –, die nur einer Sprache angehören, dem Englischen. Das Deutsche war mindestens bis zum Ersten Weltkrieg eine der führenden Wissenschaftssprachen der Welt. Es hat diesen Status verloren, wie vordem auch das Französische, ebenfalls einst eine universelle Wissenschaftssprache, in der alles gesagt werden konnte. Aber das bedeutet noch keine Bedrohung der Alltags-Sprache.
Eisenberg ist Inhaber des Lehrstuhls Deutsche Sprache der Gegenwart an der Universität Potsdam. Außerdem engagiert er sich in der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung. Das vollständige Interview können Sie im Neuen Deutschland lesen.
[Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.]
[Text: Richard Schneider. Quelle: Neues Deutschland, 2003-07-05. Bild: @.]

Peter Eisenberg