2003-07-17
„Um das zu schaffen, arbeitet der Übersetzer auch am Wochenende.“ Der Spiegel über Klaus Fritz und die Literaturübersetzer 
Der Spiegel beschreibt die Lage der Literaturübersetzer im Allgemeinen und die von Harry-Potter-Übersetzer Klaus Fritz (44) im Besonderen.
    Fritz übersetzt gerade den fünften Band des Kinderbuchs und steht unter enormem Zeitdruck, denn am 8. November soll die Übersetzung des 768-Seiten-Wälzers bereits in den Buchläden liegen. „Um das zu schaffen, arbeitet der Übersetzer auch am Wochenende“, so das Nachrichtenmagazin. „Pro Tag überträgt er zehn Seiten in eine Rohversion, die er anschließend weiter überarbeitet.“ Um seine Ruhe zu haben, verstecke sich Fritz an wechselnden Orten: „mal im Gartenhaus, mal in einer Zweitwohnung, manchmal sogar in der Einsamkeit eines Weinbergs“.
    Über die Einkommenssituation von Klaus Fritz braucht man sich gewiss keine Sorgen zu machen, aber die Lage der Literaturübersetzer insgesamt hat sich offenbar noch weiter verschlechtert. Da auch die Verlage angesichts der Wirtschaftskrise sparen müssen, wird weniger übersetzt.
    Lutz Wolff, Lektor bei dtv: „Übersetzungen sind in vielen Fällen zu teuer geworden.“ Die großen Buchkonzerne setzten aus Kostengründen bereits vermehrt auf deutschsprachige Autoren. Außerdem wachse unter den Lesern die Bereitschaft, die Originalausgabe zu lesen.
    Der VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke) schätzt das durchschnittliche Bruttomonatseinkommen der Literaturübersetzer auf 1.000 Euro.
    „Vom Übersetzen allein kann ich nicht leben", sagt selbst Harry Rowohlt (58), einer der wenigen Stars der Branche. Zum Glück verfügt er über einen lukrativen Nebenerwerb: In der Seifenoper „Lindenstraße“ spielt er gelegentlich einen Penner. „Ich habe nachgerechnet: Für fünf gelallte Sätze in der ,Lindenstraße' müsste ich 40 Normseiten übersetzen. Seitdem habe ich die Schauspielerei zu schätzen gelernt.“
    Siehe auch 800 Seiten in 12 Wochen: Klaus Fritz übersetzt Harry Potter im Akkord und Zahl der Buchübersetzungen geht zurück. Den Spiegel-Artikel können Sie hier lesen.
[Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.]
[Text: Richard Schneider. Quelle: Spiegel, 2002-07-14. Bild: Carlsen Verlag, Rowohlt.]

Klaus Fritz


Harry Rowohlt