2003-07-29
Stadt Lemgo verlangt Übersetzung lateinischer Promotionsurkunden
„In inclyta Universitate Ludovico-Maximilianea Monacensi“ – so beginnt eine Promotionsurkunde der Uni München, die der frisch gebackene Zahnarzt Dr. Kambiz Samari-Kermani der Stadtverwaltung Lemgo vorlegte, um den Titel in seinen Ausweis eintragen zu lassen.
    Doch die Stadt weigerte sich. Die Urkunde sei in einer „ausländischen Sprache“ geschrieben – bis auf das Thema der Doktorarbeit vollständig in Latein. Deshalb benötige man eine deutsche Übersetzung.
    Es sei in München aber nun einmal üblich, Promotionsurkunden in Latein abzufassen, so Samari-Kermani. „Übrigens auch an einigen anderen Unis.“
    Brigitte Scheuer, Beigeordnete der Stadt Lemgo: „Bei uns arbeiten mittlere und gehobene Dienstleute. Die können kein Latein.“
    Daraufhin wandte sich der Zahnarzt an die Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe in Münster, wo man sich verblüfft zeigte: „Das kann nicht wahr sein, gehen Sie noch einmal hin. Eine Übersetzung war noch nie nötig.“
    Das ist erstaunlich, denn andere Städte, zum Beispiel Detmold und übrigens auch München, sehen es ähnlich wie die Lemgoer. Ohne Übersetzung gehe auch dort nichts, lautet die offizielle Auskunft.
    Dass den Ärzteorganisationen derartige Probleme nicht bekannt sind, zeigt, dass die feine Klientel von den Beamten wohl auch schon mal – wenn nicht gar in der Regel – ohne Übersetzung durchgewinkt wird. Im Gegensatz zu den meist nicht ganz so feinen Einwanderern, die jede noch so unbedeutende Urkunde in „beglaubigter“ Übersetzung vorlegen müssen.
    Um so erfreulicher ist, dass sich kleine, unbeugsame Beamte in der westfälischen Provinz von dem fremdsprachigen Imponiergehabe der Unis nicht einschüchtern lassen und eine Übersetzung in die Landessprache verlangen. Schließlich leben wir schon lange nicht mehr im heiligen römischen Reich deutscher Nation.
[Text: Richard Schneider. Quelle: OWL Online, Juli 2003. Bild: Stadt Lemgo.]