2003-08-02
Jetzt kommt's raus: Hallervorden war mal Französisch-Dolmetscher und hat „aus Spaß falsch übersetzt“
Die so genannte Gauck-Behörde hat in den Archiven der DDR-Staatssicherheit eine Akte über den Schauspieler und Kabarettisten Dieter Hallervorden (67) entdeckt. 
    „Hallervorden ist republikflüchtig. Er steht im Verdacht, mit imperialistischen Geheimdiensten zusammenzuarbeiten“, heißt es in einem Ermittlungsauftrag vom September 1958. Wenige Tage zuvor war der in Dessau geborene Hallervorden von Ost- nach West-Berlin geflüchtet. Die Mauer stand damals noch nicht.
    Die Stasi vermutete, dass er mit dem französischen Geheimdienst zusammenarbeitete. Hallervorden sagt dazu: „In der DDR wurde ich als französischer Dolmetscher eingesetzt. Bei offiziellen Besuchen habe ich aus Spaß manchmal falsch übersetzt. Das flog auf, und ich musste abhauen.“
    Und? War er ein Geheimagent? „Natürlich nicht. Geheimdienste waren mir immer schon zu heikel. Man weiß ja, was mit Agenten alles passieren kann. Aber es ist schon witzig, mit welchem Aufwand die Stasi einem kleinen Licht wie mir hinterhergerannt ist.“
    Am 22. Juni 1960 notiert Stasi-Sachbearbeiter Kotek: „Das Objekt ist überheblich, hat Schauspielerallüren.“ In der Personenbeschreibung heißt es: „Starke Geheimratsecken, schmales, längliches Gesicht, kräftige Nase, breiter Mund, starkes Gebiss, leicht abstehende rote Ohren, etwas verlebtes Aussehen.“
    Von Hallervordens Kabarettgruppe „Die Wühlmäuse“ hielt die Staatssicherheit nicht viel: „Das Programm ist niveaulos, unglaublich flach und dumm. Trotzdem durch eine scharfe antikommunistische Tendenz gefährlich.“
    Von der Sprachkunst Hallervordens hält der Verein Deutsche Sprache (VDS) hingegen viel. Ende Juni wurde Hallervorden zum Ehrenmitglied ernannt. Prof. Hermann Dieter vom VDS bei der Überreichung der Urkunde: „Zehntausende Mitglieder und Sympathisanten des Vereins Deutsche Sprache lieben Ihren hintergründigen Sprachwitz. Sie gestalten damit großartiges politisches Kabarett. Sie tun dies auf Deutsch und Sie pfeifen auf Denglisch. Für all dies verehren wir Sie.“
    Hallervorden dankte mit den Worten, die deutsche Sprache sei nicht nur sein Arbeitsmedium, sondern auch öffentliches Gut und wichtigster Ausdruck unserer Kultur. Sie bedürfe deshalb ebenso der Pflege und des Schutzes wie Wasser, Boden und Luft.
    Hallervorden weiter: „Der Verein Deutsche Sprache setzt sich dafür ein. Insbesondere wehrt er sich gegen die Verflachung unserer kraftvollen deutschen Sprache durch denglisches Imponiergeschwätz. Deshalb habe ich diese Ehrenmitgliedschaft sofort angenommen.“
    Hallervorden hat an der Humboldt-Universität Berlin Romanistik und an der Freien Universität Berlin Romanistik, Publizistik und Theaterwissenschaften studiert. Außerdem absolvierte er an einer Berliner Privatschule eine Schauspielausbildung. Er spielte schon früh Theater, brach sein Studium ab und gründete mit Kollegen das politisch-satirische Kabarett „Die Wühlmäuse“. Noch heute ist er dessen Leiter.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Bild, 2003-08-02; Pressemitteilung VDS, 2003-06-28. Bild: Hallervorden.]

Dieter Hallervorden in seiner Didi-Phase Ende der 70er Jahre in der ARD-Reihe „Nonstop Nonsens“