2003-08-06
Verhandlungen zur Vergütung der Literaturübersetzer gescheitert
Im Juli 2002 trat das neue Urhebervertragsrecht in Kraft. Auf dessen Grundlage haben der Literaturübersetzerverband VdÜ und der Verlegerausschuss im Börsenverein des Deutschen Buchhandels über die Vergütung literarischer Übersetzer verhandelt. Diese Verhandlungen sind jetzt gescheitert.
    Bisher wurden Buchübersetzungen mit einer einmaligen Pauschale abgegolten, die zwischen den Verlagen und Übersetzern individuell vereinbart wurde. 
    Das neue Urheberrecht sieht vor, dass Übersetzer „angemessen“ und „redlich“ bezahlt werden. Aber nirgendwo ist definiert, was darunter zu verstehen ist. 
    Ver.di verlangt neben einer Erhöhung der Grundvergütung für jedes verkaufte Buch mindestens ein Honorar von drei Prozent des Ladenverkaufspreises. Faktisch würde das nach Angaben der Verlage auf eine Verdreifachung der Übersetzerhonorare hinauslaufen. Die urheberrechtlichen Gesamtkosten der Verlage würden sich um 6 Prozent erhöhen.
    Der Not leidende deutsche Buchhandel will den Übersetzern aber nichts abgeben. Er führt an, die Mehrkosten nur auffangen zu können, wenn die Honorare fremdsprachiger Schriftsteller gekürzt und generell weniger Übersetzungen angefertigt werden würden.
    Die Verlage behaupten, dass mehr als 80 Prozent aller Neuerscheinungen nur Verluste einbringen. Zudem habe eine Umfrage unter Lektoren ergeben, dass gut die Hälfte der Literaturübersetzer schlechte bis miserable Qualität liefere.

Über den VdÜ
Der VdÜ ist der „Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke“. Er wurde 1954 gegründet und hatte im Januar 2003 rund 1.000 Mitglieder. Der VdÜ ist als „Bundessparte Übersetzer“ in den Verband deutscher Schriftsteller (VS) eingebunden, der zur Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di gehört.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Welt, 2003-08-05; VdÜ. Bild: Frankfurter Buchmesse.]