2003-08-08
Irak: Dolmetscher bei Schusswechsel verletzt. General Sanchez will mehr Sprachmittler einsetzen
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist es im Bagdader Stadtteil El Raschid zu einem Schusswechsel zwischen den Besatzungstruppen und Einheimischen gekommen. Dabei wurden ein irakischer Dolmetscher und ein US-Soldat verwundet. Zwei Soldaten der 1. Panzerdivision kamen ums Leben.
    Der Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, Ricardo Sanchez, sagte gegenüber der New York Times, es gebe „vielfache Anzeichen“ dafür, dass das „Vorgehen der eisernen Hand die Iraker zu entfremden begonnen“ habe. Die amerikanischen Truppen hätten bei ihren Großfahndungen nicht genug Rücksicht auf die irakische Kultur und Tradition genommen. 
    Bei einer Befragung hätten Iraker darauf hingewiesen, dass die Armee, wenn sie „einen Vater vor seiner Familie fasst und ihm einen Sack über den Kopf zieht und ihn auf den Boden drückt“, diesem Würde und Respekt nehme. Dies ziehe häufig Racheakte nach sich. 
    Sanchez kündigte an, dass die US-Armee bei Razzien künftig mehr Rücksicht nehmen werde. Bei Hausdurchsuchungen soll ab sofort zunächst angeklopft und nicht mehr sofort die Tür eingetreten werden. Sanchez will außerdem dafür sorgen, dass möglichst alle Einsatzgruppen von einem Dolmetscher begleitet werden.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2003-08-08. Bild: Internet-Fundsachen.]


Ricardo Sanchez