2003-08-28
Urteil in Berliner Dolmetscheraffäre: Viereinhalb Jahre Haft für Kemal E.
Gestern erging in der Berliner Dolmetscheraffäre das Urteil gegen den Hauptangeklagten Kemal E. (53). Das Gericht verurteilte ihn wegen gewerbsmäßigen Betruges in 47 Fällen zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren. Das Landgericht sprach von einem ganz erheblichen Vertrauensbruch, den der Dolmetscher begangen habe.
    Zuvor hatte Kemal E. überraschend ein Geständnis abgelegt. Er gab zu, jahrelang falsche Rechnungen beim Landeskriminalamt (LKA) eingereicht zu haben. So ließ er sich Arbeitsstunden bezahlen, obwohl er zur gleichen Zeit mit seiner Familie in Urlaub war, oder rechnete Übersetzungsarbeiten für Verfahren ab, für die er nicht zuständig war. 
    Zwischen 1998 und 2002 ist dem Land Berlin dadurch ein Schaden in Höhe von rund 441.000 Euro entstanden. Bei dieser Summe handelt es sich nicht um die in diesen Jahren beim LKA insgesamt angefallenen Honorare des Dolmetschers, sondern lediglich um die falsch abgerechneten und zu Unrecht kassierten Gelder. 
    Als Motiv gab Kemal E. finanzielle Probleme an. Er hatte dem LKA 1998 24 Computer für den Dienstgebrauch überlassen, die er aus eigener Tasche bezahlt hatte. Kollegen schlossen sich dieser Aktion an, so dass dem LKA letztendlich 70 Computer zur Verfügung gestellt wurden. Der Freundeskreis wollte damit der Konkurrenz eines Übersetzungsbüros aus dem Ruhrgebiet entgegentreten, das mit dieser Masche (Überlassung von Computern) auf den Berliner Markt drängte. 
    Diese „Leihgabe“ habe ihn in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, so Kemal E. Deshalb habe er damit begonnen, überhöhte und falsche Rechnungen auszustellen.
    Siehe hierzu auch unser Dossier.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Tagesspiegel, 2003-08-28; taz, 2003-08-28. Bild: Polizei Berlin.]