2003-08-29
Pekinger Atomkonferenz: 24 Dolmetscher für 6 Unterhändler
Seit vorgestern treffen sich in Peking im malerischen Staatsgästehaus „Diaoyutai“ („Terrasse zum Angeln“) sechs Unterhändler der USA, Nord- und Südkoreas, Japans, Russlands und Chinas. Sie wollen sich bemühen, den Konflikt um Nordkoreas Atomprogramm beizulegen. Die Chinesen haben die Konferenz sorgfältig vorbereitet und überlassen nichts dem Zufall.
    Jeder Delegation stehen vier Dolmetscher zur Seite. Dieser Aufwand von 24 Dolmetschern für 6 Unterhändler wurde in manchen Medien (die vom Dolmetschen offensichtlich keine Ahnung haben) als übertrieben dargestellt. Hält man sich vor Augen, dass es fünf gleichberechtigte Konferenzsprachen gibt (Chinesisch, Koreanisch, Japanisch, Russisch, Englisch), so handelt es sich jedoch um die Minimalbesetzung für eine professionelle Verdolmetschung.
    Alles andere wäre riskant gewesen, denn „eine falsche Übersetzung hat schon einmal ziemliche Wellen bei uns geschlagen. Das soll diesmal verhindert werden“, so die chinesische Armeezeitung Junshi Bolanbao.
    Die Zeitung spielt auf das dreitägige Treffen Ende April zwischen dem US-Staatssekretär James Kelly (der auch diesmal die US-Delegation leitet) und seinem nordkoreanischen Verhandlungspartner Li Gen an. Es fand ebenfalls im Diaoyutai statt.
    Der Koreaner hatte den Amerikaner damals in einer Pause am Buffet provoziert. Nordkorea wolle nicht nur seine abgebrannten nuklearen Brennstäbe wieder aufarbeiten, sondern plane auch einen Atomtest. Kelly wollte darauf noch am selben Abend abreisen. Gastgeber China hatte Mühe, die Wogen der Entrüstung zu glätten.
    Einen Tag später erklärte die US-Delegation, alles sei nur ein Missverständnis gewesen. Das Wort „Test“ sei nie gefallen. Die Schuld wurde nach bewährter Diplomatenmanier dem Dolmetscher in die Schuhe geschoben.
    Beobachter gehen nicht davon aus, dass die jetzige Konferenz einen Durchbruch bringen wird. Es sei aber schon ein Erfolg, dass die Runde zustande gekommen sei. Jetzt stehe erst einmal das Symbolische im Vordergrund. Erst in Folgekonferenzen könne man über Inhalte reden.


„Starker Schlag auf starken Druck. Der Züchtigung [Nordkoreas durch die USA] folgt die erbarmungslose Bestrafung.“ So droht Nordkorea auf Propagandaplakaten den USA

[Text: Richard Schneider. Quelle: Der Standard, 2003-08-27; Welt, 2003-08-27; Yahoo-News, 2003-08-26. Bild: Standard.]


Die Unterhändler bei Konferenzbeginn