2003-09-12
Zwei Jahre nach dem 11.9. ist auf dem Markt für Arabisch-Sprachmittler nichts mehr wie es einmal war
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist nichts mehr wie es einmal war. Das gilt vor allem für Sprachmittler mit „Terroristensprachen“ wie Arabisch. Auf dem früher darniederliegenden Nischenmarkt herrscht offenbar Vollbeschäftigung. Allein in Deutschland sind in den letzten zwei Jahren mehrere Dutzend Vollzeitstellen neu entstanden. Auch das Auftragsvolumen der Freiberufler hat sich vervielfacht.
    Gerade in Hamburg, wo die Terrorzelle um Mohammed Atta die Anschläge maßgeblich vorbereitete, will sich der Verfassungsschutz nicht noch einmal blamieren. Deshalb wurden speziell für die Bespitzelung der Islamistenszene Dolmetscher und Übersetzer angeheuert. 
    Das Hamburger Abendblatt sprach mit einem Dolmetscher, der für die Behörde vor allem mitgeschnittene Telefongespräche abhört. „Das meiste, was am Telefon gesprochen wird, ist völlig belanglos“, sagt der Mann, dessen wahrer Name nicht genannt wird. Die Kunst bestehe darin, die Zwischentöne zu hören. Von den Maßnahmen, die auf der Grundlage der Abhörprotokolle getroffen werden, bekomme er meist nichts mit.
    Wie viele Sprachmittler der Hamburger Verfassungsschutz im Rahmen des Antiterrorprogramms beschäftigt, will er nicht sagen. Aber es seien angesichts der zu bewältigenden Arbeit bei weitem nicht genug.
    Empfindet er seine Lauschtätigkeit nicht als Verrat an seinen Glaubensbrüdern? „Islam und Terrorismus schließen sich aus“, meint er. „Meine Arbeit ist für mich ein Beitrag zum Islam – zu meinem Islam, der Mörder und Bombenleger verachtet. Der Islam ist eine friedliche Religion.“
    Den vollständigen Artikel können Sie im Hamburger Abendblatt lesen (externer Link). Siehe auch im Übersetzerportal Dem Terror sei Dank: Nachfrage nach Arabisten stark gestiegen (2003-04-26).
[Text: Richard Schneider. Quelle: Heidenheimer Zeitung, 2003-09-02. Bild: Archiv.]

Mohammed Atta