2003-09-13
Haarsträubende Übersetzung: Homberg/Efze lässt Tourismusbroschüre einstampfen
Das nordhessische Homberg ist durchaus eine Reise wert. Der Ortsteil Hülsa ist „staatl. anerkannter Luftkurort“ und „staatl. anerkannter Familienferienort“. Es gibt eine Burgruine und zahlreiche Fachwerkhäuser.
    Für ihre Gäste aus dem Ausland wollte die 15.000 Einwohner zählende Stadt eine Tourismusbroschüre ins Englische übersetzen lassen. Berufsübersetzer verlangen für so etwas mehrere tausend Euro. Um den Haushalt zu schonen, bat man deshalb einige Englischlehrer, diese Aufgabe zu übernehmen. Die Angefragten hatten jedoch „keine Zeit“.
    Schließlich wusste sich der allmählich in Zeitnot geratende Sachbearbeiter nicht mehr anders zu helfen als den Text kurzerhand durch ein Übersetzungsprogramm zu jagen. Sein Vertrauen in die Errungenschaften jahrzehntelanger Forschung war so groß, dass er das Ergebnis unkorrigiert in den Druck gab. 
    Erst als die Druckerei die 7.500 bestellten Exemplare der Broschüre anlieferte, stellte Bürgermeister Martin Wagner mit Schrecken fest, dass sie durch die haarsträubende maschinelle Übersetzung völlig wertlos sind. So war das Freibad beispielsweise zum „free bath“ mutiert.
    Der Schaden: 3.538 Euro für Satz, Layout und Druck.
[Text: Richard Schneider. Quelle: dpa/Frankfurter Rundschau, 2003-09-10. Bild: Stadt Homberg.]

Martin Wagner