2003-09-18
Darmstädter Korruptionsaffäre: Dolmetscher acht Wochen unschuldig in Haft
Im Prozess gegen den aus Ostanatolien stammenden Dolmetscher Nuri C. (53), der seit 1970 in Darmstadt lebt, hat am Montag ein 44 Jahre alter Mannheimer Kollege des Angeklagten ausgesagt.
    Dieser, ebenfalls Türkisch-Dolmetscher, saß Ende letzten Jahres fast zwei Monate in Untersuchungshaft, nachdem C. ihn unter Eid beschuldigt hatte, ebenfalls in die Korruptionsvorgänge bei der Ausländerbehörde verstrickt zu sein. Außerdem habe er eine gefälschte türkische Sterbeurkunde übersetzt.
    Die gegen den Mann eingeleiteten Ermittlungsverfahren wurden jedoch wieder eingestellt, da an den Vorwürfen offenbar nichts dran ist. Beobachter vermuten, dass es sich bei der Beschuldigung um einen Racheakt des älteren Kollegen handelt, denn der jüngere hatte die Korruptionsaffäre 2001 aufgedeckt.
    Durch die ungerechtfertigte Haft sei ihm ein Schaden von 120.000 Euro entstanden, erklärte jetzt der Mannheimer. Die Gerichte und Staatsanwaltschaften hätten ihn nach der Haft monatelang nicht mehr als Dolmetscher geladen. Erst in der letzten Zeit erhalte er wieder Aufträge. „Ich bin geschäftlich knapp an der Pleite vorbeigeschrammt“, sagte er. Er sei dabei, eine Entschädigungsklage vorzubereiten.
    Mehr dazu im Darmstädter Echo. [Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.]

Links zum Thema
2003-08-07 Darmstädter Bestechungsprozess: Dolmetscher saß 22 Monate in U-Haft, erlitt einen Herzinfarkt und zwei Nervenzusammenbrüche
2002-07-29 Darmstädter Dolmetscher wegen Bestechung weiter in Haft
2001-11-16 Darmstadt: Dolmetscher wegen Bestechung verhaftet

[Text: Richard Schneider. Quelle: Darmstädter Echo, 2003-09-16; hr online, 2003-01-08. Bild: hr.]


Nuri C.