2003-09-20
Oops: US-Soldaten erschießen im Irak aus Versehen den Dolmetscher des italienischen Botschafters
Ausgerechnet den Dolmetscher hat es erwischt, als US-Soldaten das Auto des italienischen Botschafters Pietro Cordone (70) unter Beschuss nahmen. Der Diplomat ist Kulturbeauftragter und einziger Nicht-Amerikaner in der 14-köpfigen Zivilverwaltung unter Paul Bremer. Er war mit Dolmetscher und Fahrer in einem zivilen Fahrzeug von Mossul nach Tikrit unterwegs.
    Offenbar haben Missverständnisse zwischen den Soldaten und dem Fahrer zu dem Zwischenfall geführt, der sich am 18.09.2003 ereignete. 
    Der Fahrer hatte mehrfach vergeblich versucht, einen amerikanischen Militärkonvoi zu überholen, obwohl ihm die Soldaten signalisierten, dies sein zu lassen. Dadurch gewannen die Amerikaner den Eindruck, dass der Pkw sie rammen wollte. Die Truppe war nervös, da in der Nacht zuvor auf derselben Straße drei Kameraden von Heckenschützen erschossen worden waren. 
    An einer Straßensperre feuerten die US-Soldaten einige Salven auf den Wagen des Botschafters. Dabei kam der Dolmetscher ums Leben, die übrigen Insassen blieben unverletzt. 
    Das italienische Außenministerium brachte sein Bedauern über den Vorfall zum Ausdruck („Solche Dinge passieren leider.“), und die Amerikaner entschuldigten sich „auf höchster Ebene“ bei den Italienern. Bei dem Dolmetscher handelte es sich um einen Iraker.
    Nach der Zählung des Übersetzerportals sind damit im Irak-Krieg bislang sechs Angehörige unserer Berufsgruppe ums Leben gekommen, zwei wurden verletzt, einer wird vermisst. Siehe dazu auch unser Dossier.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Corriere della Sera, Panorama, Der Standard, Tiroler Tageszeitung. Alle 2003-09-19. Bild: ANSA.]

Mit dem Schrecken davongekommen: 
Pietro Cordone