2003-10-03
Festgenommen: Ahmed Mehalba, Arabisch-Dolmetscher auf Guantánamo
Ende September wurde Ahmed Mehalba (31) auf dem Flughafen von Boston festgenommen, als er aus dem Urlaub in Ägypten zurückkehrte. Er hatte Papiere und eine CD-ROM mit 368 als geheim eingestuften Dateien bei sich. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.
    Der Zivilist Mehalba ist eingebürgerter Amerikaner ägyptischer Herkunft. Er arbeitete seit November 2002 für die im kalifornischen San Diego beheimatete Titan Corp., einem für die Streitkräfte arbeitenden Dienstleister. Seit Januar war er auf Guantánamo.
    Mehalba musste 1997, ein Jahr, nachdem er mit seiner Zeitarbeitsfirma pleite gegangen war, eingestehen, dass er auch als Privatmann zahlungsunfähig war. Ein Jahr nach seinem Eintritt in die Armme wurde er 2001 wieder entlassen, weil er zu dick war. Bis März 2003 fuhr er dann Taxi in Boston.
    Kevin Hendzel vom amerikanischen Übersetzerverband ATA ist der Ansicht, dass dieser Fall exemplarisch verdeutlicht, dass die Behörden Abstriche bei den Sicherheitsüberprüfungen gemacht haben, um ihren Bedarf an Arabisch-Dolmetschern halbwegs decken zu können. Schon durch die Tatsache, dass Mehalba finanzielle Probleme hatte, hätte er nicht in sicherheitsrelevanten Bereichen eingesetzt werden dürfen, da er dadurch unter Umständen käuflich und erpressbar wurde, meint Hendzel. Die ATA schätzt, dass derzeit erst ein Drittel des tatsächlichen Bedarfs an Arabisch-Dolmetschern gedeckt ist.
    Seit Januar 2002 wurden nach Angaben des Militärs auf Guantánamo 6.000 Verhöre durchgeführt. Die rund 660 Gefangenen kommen aus 42 Ländern und sprechen 17 Sprachen. Das Lager beschäftigt 70 Sprachmittler.

Link zum Thema
2003-09-25 Guantánamo-Dolmetscher Ahmad Al-Halabi unter
Spionageverdacht festgenommen
[Text: Richard Schneider. Quelle: USA Today, 2003-10-02; CNN, 2003-10-01, 2003-10-15; Washington Times, 2003-10-14; Neues Deutschland, 2003-10-02. Bild: CNN.]
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Ahmed Mehalba