2003-10-04
Frank Heibert: Was eine gute literarische Übersetzung ausmacht
Er und sie betreten ein Hotelzimmer. Der Page zieht die Vorhänge auf, ein grandioses Panorama liegt vor ihnen. Sie ruft aus: „Würdest du dir mal dieses Scheißzimmer anschauen?“
    Hoppla. Ist sie zickig, hat sie Angst vor weiten Räumen, was ist da los? Fragen können Sie nicht, denn Sie haben das gerade in einem Roman gelesen. Und da steht nichts von Hysterie oder Agoraphobie der Dame. Noch schlimmer, der Mann antwortet: „Ja, ein Traum.“ Wahrscheinlich schütteln Sie den Kopf und lesen etwas ratlos weiter. Vielleicht wollen Sie der Sache auch auf den Grund gehen, holen sich das englische Original und sehen: Es steht so da! „Would you look at this fucking room!“ Rätselhaft.
    Des Rätsels Lösung: Der Satz kann je nach Zusammenhang ganz Verschiedenes ausdrücken. Nicht nur Besorgnis oder Empörung wie in der Übersetzung, sondern auch Begeisterung: „Guck dir bloß mal dieses Wahnsinnszimmer an!“
    Damit sind wir beim Thema Qualität, das zur derzeitigen Debatte um die Literaturübersetzer und ihre angemessene Beachtung und Bezahlung gehört. Und zwar in mehrfacher Hinsicht: als Anspruch der Übersetzer an sich selbst, als Anspruch der Leser an die Übersetzungen und als Plädoyer für Arbeitsbedingungen, die qualitätvolles Arbeiten überhaupt erst möglich machen. Nur: Was macht eigentlich eine gute Übersetzung aus?
... das verrät uns der Literaturübersetzer Dr. Frank Heibert (42) in einem Artikel in der Berliner Zeitung, den Sie dort in voller Länge lesen können.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Berliner Zeitung, 2003-10-04. Bild: junge-kritiker.de.]

Frank Heibert