2003-10-17
Kasseler Kokain-Prozess vertagt, weil Drogendealer mehr Dolmetscher fordern
Vor einem Jahr gelang der Kasseler Polizei der größte Kokainfund der deutschen Geschichte. Bei der Zerschlagung eines internationalen Rauschgifthändlerrings wurden 1.243 kg Kokain im Wert von 37 Mio. Euro sichergestellt. Gestern begann vor dem Kasseler Landgericht der Prozess gegen zwei Kolumbianer und fünf Spanier.
    Die Sitzung musste jedoch nach wenigen Stunden vertagt werden, weil die 14 Verteidiger der sieben Spanisch sprechenden Angeklagten bemängelten, dass die zwei Dolmetscher, die das Gericht bestellt hatte, nicht ausreichten. Sie beantragten für jeden ihrer Mandanten einen eigenen Übersetzer. Anders sei eine angemessene Verteidigung nicht möglich. Diesem Antrag schloss sich auch der Staatsanwalt an. 
    Der Richter wies die Forderung zunächst zurück. Zwei Dolmetscher sollten genügen, wenn alle Beteiligten Disziplin an den Tag legten. Nach langem Hin und Her lenkte das Gericht dann aber doch ein. Zum nächsten Verhandlungstag sollen nun weitere Dolmetscher bestellt werden.
    Bei den Angeklagten im Alter von 35 bis 55 Jahren handelt es sich laut Staatsanwalt um „große Fische“ aus der Führungsebene eines südamerikanischen Drogenkartells. Ihnen drohen bis zu 15 Jahren Haft. 
    Per Schiff war das weiße Pulver in einem Kühlcontainer unter einer Ladung Honigmelonen von Kolumbien nach Hamburg und von dort in eine Lagerhalle in Kassel transportiert worden.
    Durch den auf 27 Verhandlungstage angesetzten Prozess entstehen lukrative Jobs für Spanisch-Dolmetscher im wirtschaftsschwachen Nordhessen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Berufsverbrecher, ohne deren unermüdliche Arbeit allein in Deutschland sicherlich mehrere tausend Sprachmittler arbeitslos wären.
[Text: Richard Schneider. Quelle: AFP, 2003-10-16; Reuters, 2003-10-16; Wormser Zeitung, 2003-10-17; Frankfurter Rundschau, 2003-10-17. Bild: Archiv.]