2003-10-19
EU-Sprachendienste müssen bald 420 Sprachkombinationen bewältigen
Mit dem Beitritt von zehn mittel- und osteuropäischen Ländern sowie Malta und Zypern wird sich die Zahl der Amtssprachen von derzeit 11 auf über 20 erhöhen. Damit steigt auch die Zahl der möglichen Sprachkombinationen. Bei 11 Amtssprachen gibt es 110 Übersetzungskombinationen, bei 21 sind es 420 (siehe Grafik unten).
    Pro zusätzlicher Sprache sollen rund 200 neue Sprachmittler eingestellt werden. Derzeit beschäftigen die Sprachendienste der EU fast 4.000 Mitarbeiter. Rund 3.100 sind Übersetzer, 800 Dolmetscher. Den größten Sprachendienst unterhält die Europäische Kommission mit 1.900 Beschäftigten, die pro Jahr etwa 1,2 Millionen Seiten Text übersetzen.
    Die Kosten für die Sprachendienste beliefen sich 1999 auf insgesamt 686 Millionen Euro, wovon 523 Millionen Euro auf Übersetzungen entfielen. Die sprachliche Verständigung innerhalb der Gemeinschaft verschlingt damit rund 15 Prozent der gesamten Verwaltungsausgaben. Das sind allerdings nur 0,8 Prozent des EU-Haushalts.
    Als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) Ende der fünfziger Jahre ins Leben gerufen wurde, war die Sprachenvielfalt noch überschaubar. Die sechs Gründerstaaten sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Niederländisch. Durch die Aufnahme weiterer Mitgliedstaaten kamen bis 1995 Dänisch, Englisch, Griechisch, Spanisch, Portugiesisch, Finnisch und Schwedisch hinzu.
    Mit der Osterweiterung dürfte die Sprachenvielfalt in den EU-Institutionen ihren Höhepunkt erreicht haben. In den Jahrzehnten danach wird es darum gehen, schrittweise wieder abzuspecken. Dass letztendlich nur eine einzige Verwaltungssprache nämlich Englisch übrig bleiben wird, ist absehbar und politisch wie wirtschaftlich wünschenswert. Bis dahin werden allerdings sicherlich noch weitere 50 Jahre EU-Geschichte vergehen.

 
 
 

 

[Text: Richard Schneider. Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, 2001-08-02. Bild: Institut der
deutschen Wirtschaft.]
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