2003-11-02
Der Fremdsprachenbedarf der deutschen Wirtschaft. Umfrageergebnisse des IW
Das Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, hat 1995 insgesamt 663 Unternehmen zu ihrem Bedarf an Fremdsprachen befragt. Die Ergebnisse: 
    In sieben von zehn Unternehmen mit internationalen Handelsbeziehungen werden Geschäftsvorgänge auch in Fremdsprachen abgewickelt. In fast allen Unternehmen ist Englisch die Fremdsprache Nummer eins. In vier von fünf Unternehmen mit ausländischen Handelspartnern wird auch Französisch benutzt. Die Hälfte der Unternehmen benötigt darüber hinaus Spanisch und Italienisch. In der Regel werden zwei bis vier Fremdsprachen pro Unternehmen benötigt, in drei von zehn Betrieben sogar fünf oder noch mehr. Insgesamt nannten die Unternehmen in der Umfrage 28 verschiedene Fremdsprachen.
    Wie groß der Fremdsprachenbedarf ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
    Betriebsgröße: Der Bedarf ist in großen Betrieben höher als in kleinen. Bei 93 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern ist der Umgang mit Fremdsprachen selbstverständlich. Bei Kleinbetrieben mit bis zu 49 Beschäftigten benötigen nur 57 Prozent Fremdsprachen im Geschäftsalltag.
    Auslandsverflechtung: In Firmen, die Teil eines ausländischen Unternehmens sind oder eine eigene Niederlassung im Ausland haben, führt an Fremdsprachen kein Weg vorbei. Von den Betrieben, die keinem internationalen Unternehmen angehören oder keine Tochtergesellschaft im Ausland haben, setzen dagegen nur 65 bzw. 58 Prozent Fremdsprachen bei der Pflege von Geschäftskontakten ein.
    In Firmen, die eine für die Mitarbeiter obligatorische Konzernsprache vorschreiben, benötigen 98 Prozent Fremdsprachen. Bei Unternehmen, die keine offizielle Konzern-Fremdsprache besitzen, liegt dieser Anteil bei 64 Prozent.
    Branchenzugehörigkeit: Fremdsprachenkenntnisse sind im exportorientierten produzierenden Gewerbe unverzichtbar. Ähnlich sieht es im Dienstleistungssektor aus, vor allem in der Tourismusbranche, dem Hotel- und Gaststättengewerbe, dem Groß- und Außenhandel sowie bei Banken. Im Einzelhandel, bei Versicherungen sowie im Handwerk und Baugewerbe besteht dagegen ein geringer Fremdsprachenbedarf.
    Unternehmensbereiche: Besonders wichtig sind Fremdsprachen im Verkauf und in der Kundenbetreuung. Im Verkauf benötigen sieben von zehn Mitarbeitern Fremdsprachenkenntnisse, in der Kundenbetreuung sind es sechs von zehn und im Einkauf fünf von zehn. Im Marketing und in der Datenverarbeitung sind im Schnitt an vier von zehn Arbeitsplätzen einschlägige Fremdsprachenkenntnisse gefragt. Insgesamt benötigt jeder dritte Mitarbeiter im Unternehmen Fremdsprachen.
 
Fremdsprachen im Betrieb: 
Wie der Bedarf gedeckt wird
Trifft zu Trifft 
teilweise zu
Einstellung fremdsprachenkundiger deutscher Mitarbeiter
37 %
31 %
Aufträge an Übersetzer/Dolmetscher
18 %
35 %
Einstellung sprachkundiger ausländischer Mitarbeiter
10 %
20 %
Stand: 1995. Mehrfachnennungen möglich.


[Text: Richard Schneider. Quelle: Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft, 1998-06-04. Bild: IW.] www.uebersetzerportal.de