2003-11-04
Verbotene Liebe in Bagdad: Zwei irakische Dolmetscherinnen heiraten heimlich US-Soldaten
Die Irakerinnen Ahda (25) und Joanne (26) haben Mitte August in Bagdad heimlich zwei US-Soldaten geheiratet, die sie bei ihrer Arbeit als Dolmetscherinnen in einem Hotel kennen gelernt hatten. Jetzt gelten sie als Kollaborateurinnen und müssen sich verstecken.
    Auch auf amerikanischer Seite wird diese Art der Völkerverständigung nicht gerne gesehen. Da die beiden Soldaten Christopher (27) und Brett (37) die Eheschließung während einer Streife in Bagdad arrangierten, wird ihnen das als Pflichtverletzung im Dienst ausgelegt. Schon das Einlegen von Essenspausen in einem Restaurant während der Streife ist verboten.
    Die beiden Soldaten zahlten gemäß den irakischen Heiratsregeln 1.000 Dollar an ihre Frauen und verpflichteten sich zur Zahlung von 10.000 Dollar Unterhalt im Fall der Scheidung. Schon zwei Wochen vor der Hochzeit konvertierten die beiden Christen zum Islam.
    Die junge Liebe in Zeiten des Krieges wird auf eine harte Probe gestellt, denn sehen dürfen sich die Eheleute nicht. Vor der Unterkunft ihrer Männer werden die Frauen abgewiesen wie jeder andere Iraker, betont ein Armeesprecher. „Aber sie können sich Briefe und E-Mails schreiben.“
    Auch bei den Frauen zu Hause herrscht angespannte Vorsicht. „Wir haben unheimliche Angst, getötet zu werden oder dass ein Anschlag auf unser Haus verübt wird“, sagt die Schwester von Joanne.
    Ein irakischer Radiosender, der über die Hochzeiten berichtet hatte, bat seine Hörer um Stellungnahmen. Diese waren sich einig: „Man heiratet keinen Soldaten der Besatzungsarmee.“
[Text: Richard Schneider. Quelle: Netzeitung, 2003-11-02. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de

US-Soldaten in Bagdad