2003-11-14
Österreich meldet verstärkte Nachfrage nach Ostsprachen
Österreichische Firmen, die in den neuen EU-Ländern tätig sind, vergeben ihre Dolmetsch- und Übersetzungsaufträge je zur Hälfte an österreichische und ausländische Büros, schätzt Christian Ernst Fuchs, Berufsgruppensprecher der Übersetzungsbüros der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Die Vorteile der österreichischen Sprachmittler sieht er in der örtlichen Nähe und einer vermutlich oft besseren Qualität. Die starke Konkurrenz aus Ländern wie Tschechien und Ungarn bietet ihre Leistungen zu niedrigeren Preisen an. Den etablierten Büros geht es nach Angaben von Fuchs jedoch gut, schließlich müssten zahlreiche Angebote und Verträge für Geschäfte mit den neuen EU-Ländern übersetzt werden.
    „Die verstärkte Nachfrage nach Ostsprachen hat schon vor etwa fünf Jahren eingesetzt“, berichtet Karin Neumeister vom Übersetzungsbüro Austria Sprachendienst International (AS). Grundsätzlich sei es kein Problem, diesen Bedarf abzudecken, allerdings gebe es große qualitative Unterschiede. „Manche Kollegen trauen sich zu viel zu, und es ist natürlich schwierig, das Niveau zu überprüfen, wenn man die jeweilige Sprache selbst nicht kann.“
    Auch am Institut für Übersetzen und Dolmetschen an der Universität Wien ist das Interesse an Ostsprachen gestiegen. „Schon seit dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es einen starken Zustrom“, erklärt Mitarbeiterin Erika Polak. Dies gilt sowohl für österreichische als auch ausländische Studenten. Viele kommen aus Polen, Tschechien oder Ungarn und sprechen bereits sehr gut Deutsch, wenn sie an die Uni kommen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Wiener Zeitung, 2003-11-14. Bild: EU.] www.uebersetzerportal.de