2003-11-25
Kasseler Kokain-Prozess: Verschleppungstaktik auf dem Rücken der Sprachmittler
Auf dem Rücken der Sprachmittler setzen die 14 Anwälte der in Kassel angeklagten spanischen und kolumbianischen Kokain-Großhändler ihre Verschleppungtaktik fort.
    Sie behaupten, die Übersetzung der Anklageschrift enthalte „schwer wiegende Fehler“. Der Prozess müsse unterbrochen werden, damit „der Fall“ dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt werden könne. Es verstoße gegen europäisches Recht und gegen die Menschenrechtskonvention, „dass ein der Landessprache nicht mächtiger EU-Bürger sich den Inhalt einer Anklage selbst erschließen muss“. Er habe einen Anspruch auf eine exakte Übersetzung. „Ganze Geschehensabläufe werden in der Übersetzung der Anklage aus dem Deutschen ins Spanische anders dargestellt als im deutschen Original“, so einer der Anwälte.
    Bei einer früheren Verhandlung hatten die Verteidiger schon einmal beantragt, die Anklageschrift neu zu übersetzen. Das Gericht lehnte den Antrag damals mit der Begründung ab, die Fehler seien nicht schwer wiegend. Änliche sieht es auch der Staatsanwalt: Die Übersetzung als dermaßen fehlerhaft hinzustellen, dass die Angeklagten nicht wüssten, worum es gehe, sei doch wohl übertrieben.
    Der jetzt vorliegende Antrag auf Neuübersetzung dürfte vom Gericht ebenfalls abgelehnt werden. Mal sehen, was den Anwälten als nächstes einfällt.
    In dem Kasseler Prozess geht es um den größten Kokainfund der deutschen Geschichte (1,2 Tonnen im Wert 37 Mio. Euro).

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2003-10-17 Kasseler Kokain-Prozess vertagt, weil Drogendealer mehr Dolmetscher fordern
[Text: Richard Schneider. Quelle: HNA, ohne Datum. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de