2003-12-26
Marc-Christian Rossig von 24translate: „Gute Übersetzer sind zickig.“
In der Presse ist wieder einmal ein Artikel über 24translate.de erschienen. Das Internet-Übersetzungsbüro in Hamburg-Eppendorf ist nach Beobachtung des Übersetzerportals der PR-König der Branche. Kein anderer Anbieter schafft es, in dieser Regelmäßigleit lobhudelnde Artikel über sich selbst in der Presse zu platzieren. Da können andere noch viel lernen – einschließlich unserer Berufsverbände. 
    Allerdings sollten die Hamburger allmählich aufhören, immer dieselben uralten Pressemitteilungen zu verwursten – vieles davon ist nämlich inzwischen überholt. So heißt es im aktuellen Artikel im Hamburger Abendblatt: „Große Wettbewerber sind Transline, Alpnet und Berlitz.“ Aufmerksame Übersetzerportalleser wissen, dass es Alpnet und Berlitz als Übersetzungsdienstleister schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr gibt. Alpnet wurde Anfang 2002 von SDL International geschluckt, und die Übersetzungssparte von Berlitz ist im Oktober 2002 in Bowne Global Solutions aufgegangen. 
    Im Hamburger Abendblatt erfahren wir, dass sich die beiden 24translate-Gründer Marc-Christian Rossig (39) und die Dänin Lone Wolf (31) 1998 an der Universität Lüneburg kennen lernten. Er hatte BWL mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikationswissenschaften studiert und arbeitete im internationalen Kunstmanagement. Für ein Projekt brauchte er eine Übersetzerin und stieß auf Lone Wolf. 
    „Als sie mir irgendwann erzählte, dass sie ein Übersetzer-Büro aufmachen wollte, war ich zunächst nicht sonderlich begeistert“, erzählt Rossig. „Aber dann habe ich gesehen: Übersetzen und Internet – das passt.“ 1998 erstellten sie einen Business-Plan. Zuvor hatten sie an der Uni eine Marktanalyse erstellen lassen; 15 Studenten waren ein halbes Jahr damit beschäftigt. Die Ergebnisse: „Die Kunden wollten Preistransparenz, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit“, sagt Rossig. Preistransparenz bietet 24translate seinen Kunden dadurch, dass anhand des Ausgangstextes abgerechnet wird, während praktisch alle anderen Anbieter den Zieltext zugrunde legen.
    Die Geschäftsprozesse wurden mit einer eigens entwickelten Software auf das Internet verlagert. „30 Prozent der Übersetzerkosten entstehen durch Kommunikation“, so Rossig. „Wir haben das System TDS3 entwickelt, das die Kommunikation automatisiert und so diese Kosten spart.“ 
    Auf die Frage, woran man gute Übersetzer erkennt, antwortet Rossig gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Daran, dass sie zickig sind. Jedenfalls zu Anfang, später dann nicht mehr.“ Die Zeitung weiter: „Übersetzer – in der Regel Frauen, die zuhause arbeiten – seien wie Künstler, die um jedes Wort kämpften.“ Dieser flapsige Spruch ist einigen Kolleginnen vom ADÜ Nord sauer aufgestoßen, „da er dem Image professionell arbeitender Übersetzer schadet und das Bild von der Küchentischübersetzerin mit gut verdienendem Ehemann fördert“, wie es im Infoblatt des Verbands heißt. Die Pressereferentin des ADÜ Nord habe deshalb einen Brief an die Zeitung geschrieben, der als eine Art Gegendarstellung veröffentlicht werden soll.
    Im Jahr 2000 trat 24translate an, den zersplitterten Übersetzungsmarkt aufzuräumen. Fast alle der 5.000 deutschen Übersetzungsbüros sind Ein-Mann-Unternehmen. Lediglich fünf Anbieter erwirtschaften einen Jahresumsatz von jeweils mehr als 2,5 Mio. Euro und teilen sich damit 9,5 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche. Die Hamburger sehen nach wie vor gute Chancen, sich in diesem Kreis zu etablieren.


Lone Wolf und Marc-Christian Rossig

Links zum Thema
2003-12-06 Hamburger Abendblatt (externer Link):
Übersetzungen per Internet. Existenzgründer: Für eine neue Service-Software wurde die Hamburger Firma 24translate ausgezeichnet
2003-10-31 Deutscher Internetpreis 2003 für 24translate.de
2003-10-16 Luca Vidi – vom Skirennfahrer zum Gründer von 24translate.ch
[Text: Richard Schneider. Quelle: Hamburger Abendblatt, 2003-12-06; Infoblatt ADÜ Nord, 6/2003. Bild: 24translate, dip.] www.uebersetzerportal.de