2004-01-11
Aufpreis für lokalisierte Software: Kostendeckung oder Abzocke?
Unter dem Titel „Teure Muttersprache – Aufpreise für deutsche Software: Kostendeckung oder Abzocke?“ berichtet das Computermagazin c't in Ausgabe 2/2004 (S. 76-77) über die Preispolitik für lokalisierte Software.
    Die deutsche Ausgabe von Adobe Photoshop kostet doppelt so viel wie das englischsprachige Original aus den USA (1.228 statt 613 Euro). Auch die Hersteller Quark und Autodesk verlangen für die europäischen Ausgaben ihrer DTP- und Grafik-Software einen unverhältnismäßig hohen Aufpreis (QuarkXPress 6 Passport: 1.769 statt 985 Euro, AutoCAD: 5.445 statt 3.202 Euro). Microsoft-Produkte wie Word und Excel gehen hingegen in den verschiedensten Sprachversionen überall auf der Welt für denselben Ladenpreis über den Tisch. Wie kommt's?
    „Die Übersetzung von Software, insbesondere der Dokumentation und Online-Hilfe, ist recht aufwändig und somit teuer“, erläutert c't-Redakteurin Andrea Trinkwalder. Sie schreibt:
Hier kommen ebenso wie im gedruckten Handbuch beachtliche Textmengen zusammen, die kompetent übersetzt sein wollen. Der deutsche Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer kalkuliert für diese Aufgabe einen Preis von etwa einem Euro je Textzeile; bei einem 300-seitigen Handbuch mit durchschnittlichem Anteil an Screenshots summiert sich das schnell zu 10 000 Euro oder mehr.
Der BDÜ hat über seinen Pressesprecher Norbert Koschyk inzwischen dementiert, Quelle der Preisangabe „1 Euro pro Zeile“ zu sein. Koschyk: „Woher diese Weisheit stammt, entzieht sich meiner Kenntnis. Der BDÜ gibt durch seine Vertreter keine Preiskalkulationen ab.“
    In der c't heißt es weiter:
Lokalisierung gibt es nirgendwo zum Nulltarif. Aber es ist auch eine Frage der Unternehmenspolitik, ob die Kosten auf sämtliche Kundenschultern verteilt werden oder nur auf die der direkten Nutznießer, also etwa Franzosen, Deutsche oder Japaner. Bei manchem Hersteller drängt sich der Verdacht auf, dass er schlichtweg verlangt, was der Markt hergibt.
Das Thema wurde auch am 10.01.2004 in der wöchentlichen Fernsehsendung der Zeitschrift, dem c't magazin.tv im hessen fernsehen, besprochen. Mitschnitte im Real-Video-Format können unter www.ct-tv.de abgerufen werden.
    Der vollständige Zeitschriftenartikel steht leider nicht online, sondern nur auf Papier zur Verfügung. Das c't-Heft kostet 3 Euro.

Link zum Thema
2004-01-14 BDÜ verärgert über unpräzise Presseberichterstattung

[Text: Richard Schneider. Quelle: c't-Pressemitteilung, 2004-01-09; Heise-Newsticker, 2004-01-08; Der Standard, 2004-01-12; Call-Magazin, 2004-01-09. Bild: c't.] www.uebersetzerportal.de