2004-01-26
Drei Golden Globes für Lost in Translation
Bei der gestrigen Verleihung der Golden Globe Awards konnte Sofia Coppola (32) für ihren Film Lost in Translation gleich drei Preise einheimsen: bestes Drehbuch, beste Komödie und bester Schauspieler in der Kategorie „Komödie/Musical“ (Bill Murray).
    Lost in Translation ist eine melancholische Komödie. Der alternde amerikanische Schauspieler Bob Harris (Bill Murray) hält sich in Tokio auf, um Werbefilme für einen japanischen Whiskey zu drehen. Die meiste Zeit verbringt er in Foto- und Filmstudios mit japanischen Kreativen und seiner Dolmetscherin.
    Und auch der Zuschauer hat es nicht leicht – wenn Japanisch gesprochen wird, fehlen die Untertitel. Damit ist der Zuschauer genauso verloren wie die Hauptdarsteller mitten im geschäftigen Treiben der japanischen Großstadt. 
    Der Evangelische Pressedienst (epd) schreibt:
Sofia Coppola, die das Kunststück fertig brachte, in nur 27 Tagen in einer der teuersten Städte der Welt einen Low-Budget-Film zu drehen, erzählt in Lost in Translation von Menschen im Hotel. Vom Ausharren in einer noblen Unterkunft, die wie ein Raumschiff aussieht, das auf einem unbekannten Planeten vor Anker liegt und dessen Besatzung kaum wagt, einen Fuß nach draußen zu setzen. In ein fremdes Terrain, in dem man keine Straßennamen lesen kann und in dem man ungewohnte Begrüßungsrituale allzu leicht mit devoter Einfältigkeit verwechselt. Der Film handelt von Fremdheit [...].
    Dass auch Übersetzerinnen die cultural gaps nicht überbrücken können, zeigt die köstliche Szene, in der Harris beim Dreh eines Werbeclips verzweifelt versucht, den Regieanweisungen Folge zu leisten. Die minutenlange Erregung des dünnhäutigen Regisseurs fasst die freundliche Dame mit gleichbleibendem Lächeln und einem schlichten „more intensive, please“ zusammen. 
Die „Golden Globe Awards“ werden seit 61 Jahren von der Hollywood Foreign Press Association verliehen, in der sich rund 90 Journalisten der in Hollywood vertretenen Auslandspresse zusammengeschlossen haben. Die Preise gelten als wichtige Indikatoren für die einen Monat später stattfindende Oscar-Verleihung.
    Lost in Translation läuft seit Anfang Januar in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Kinos.


[Text: Richard Schneider. Quelle: Filmdienst, 2003-12-29; epd, 1/2004. Bild: Golden Globe, Constantin Film.] www.uebersetzerportal.de


Sofia Coppola nach der Preisverleihung vor der Presse