2004-02-04
Teresa Heinz Kerry: UNO-Dolmetscherin, millionenschwere Ketchup-Erbin und mögliche First Lady der USA
US-Senator John Forbes Kerry (60) gewinnt zurzeit eine Vorwahl nach der anderen und könnte Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden. Viel interessanter als der bisweilen hölzern wirkende Senator ist jedoch – nicht nur für das Übersetzerportal – seine Frau: Teresa Heinz Kerry (65) ist studierte Dolmetscherin und hat als solche lange bei der UNO gearbeitet.
    Teresa Simões-Ferreira wuchs als Tochter eines portugiesischen Arztes in Mosambik auf. An der „University of the Witwatersrand“ in Johannesburg, Südafrika, studierte sie romanische Sprachen und Literatur (Französisch, Portugiesisch, Italienisch) und schloss als Bachelor of Arts ab. Als Studentin beteiligte sie sich an Demonstrationen gegen die Apartheid. 
    An der „École de Traduction et d'Interprétation“ (ETI) der Uni Genf setzte sie ihr Studium fort. Dort saß sie übrigens mit dem heutigen UN-Generalsekretär Kofi Annan zeitweise im gleichen Hörsaal. Nach dem Abschluss 1963 zog es die fünfsprachige 25-Jährige (Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Englisch, Italienisch) zur UNO nach New York, wo sie als Dolmetscherin und Consultant der United Nations Trusteeship ihren Lebensunterhalt verdiente.
    1966 heiratete sie John Heinz III, den Erben der Ketchup-Dynastie und späteren republikanischen Senator, dem sie drei Kinder schenkte. Als er 1991 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, erbte Teresa Heinz schätzungsweise mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Sie übernahm die Leitung der Heinz-Stiftungen, die mit Millionensummen Initiativen für Umwelt, Frauenrechte, Bildung und Kunst unterstützen. Für diese Arbeit wurde sie mit mehreren Ehrendoktorwürden und Preisen ausgezeichnet.
    1992 lernte sie auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro Senator John Kerry kennen. Drei Jahre später wurde geheiratet. Der Senator hat seitdem eine selbstbewusste und kritische Begleiterin, die ungern ein Blatt vor den Mund nimmt.
    Offen redet sie über Botox-Anwendungen, mit denen sie ihre Falten glätten lässt. Und auch ein Gesichtslifting ist kein Tabu: „Wenn ich es brauche, mache ich es.“ Außerdem verriet sie, die um ein Vielfaches reicher ist als ihr ebenfalls millionenschwerer Ehemann, dass sie vor der Ehe einen Ehevertrag abgeschlossen hat.
    Gerne geht sie allein für ihren Mann auf Wahlkampftour. Sie redet gewandt über soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte und kommt bei den Wählern meistens gut an. Im Gegensatz zu anderen Politikerfrauen legt sie vor der Presse aber kein künstliches Dauerlächeln auf und weicht gerne von vorgefertigten Redemanuskripten ab. Die TV-Debatten der Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur bezeichnete sie als „Zeitverschwendung“. Dem Wahlkampfteam ihres Mannes hat die Offenheit der Politikergattin jedenfalls schon so manche Schweißperle auf die Stirn getrieben.
    Kritiker warnen, sie sei zu unverblümt, spontan und eigensinnig. Erinnerungen an Hillary Clinton werden wach. Im Gegensatz zur Frau des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton hat Teresa Heinz Kerry aber keinerlei eigene politische Ambitionen. Nach dem Tod ihres ersten Mannes lehnte sie es ab, für dessen Nachfolge im Senat zu kandidieren.
    Die im Chanel-Hosenanzug und mit Stöckelschuhen stets elegant wirkende 65-Jährige lässt alle Kritik kalt: „A woman that has opinions is called opinionated, and a man who has opinions is called smart and well-informed.“
[Text: Richard Schneider. Quelle: www.johnkerry.com; www.heinzawards.net; Kölnische Rundschau, 2004-01-04; Mitteldeutsche Zeitung, 2004-02-04. Bild: www.johnkerry.com.] www.uebersetzerportal.de

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