2004-02-19
„Auftrag der Politik umgesetzt.“ – FH München verteidigt Schließung des Studiengangs Übersetzen
Gestern fand eine Anhörung des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur des Bayerischen Landtags statt. In der auf Antrag der SPD-Fraktion angesetzten Anhörung informierten Vertreter der Hochschulen, darunter auch die Präsidentin der FH München, Marion Schick, über die Auswirkungen der Sparvorgaben aus der Politik. 
    Das bayerische Kultusministerium hatte allen Hochschulen Haushaltskürzungen in Höhe von 5 Prozent verordnet. Bei der FH München entspricht dies einem Betrag von 2,75 Mio. Euro.
    Schick stellte klar, dass sie bereit ist, Umstrukturierungen durchzuführen. Man wolle das Profil der FH München als technisch ausgerichtete Hochschule schärfen. Da der Studiengang Übersetzen nicht ins „Kernkompetenzspektrum“ falle, habe der Senat einstimmig beschlossen, in diesem Studiengang ab sofort keine neuen Studenten mehr aufzunehmen.
    Sie kritisierte jedoch, dass die Kürzungsvorgaben zu plötzlich gekommen seien: „Die Kurzfristigkeit der Haushaltskürzungen entspricht einer Vollbremsung bei voller Fahrt. Dies führt dazu, dass im Sommersemester der reguläre Studienbetrieb nicht gesichert ist.“ Im Jahr 2004 stehe für den laufenden Betrieb nur die Hälfte des Vorjahresbudgets zur Verfügung. Die Bibliothek werde daher in diesem Jahr kein einziges neues Buch beschaffen können. 
    Die TU München (Technische Universität) will 10 ihrer 80 Studiengänge schließen. Kanzler Ludwig Kronthaler führte aus, dass die TU ihren staatlichen Etat in den vergangenen drei Jahren bereits um 8 Prozent habe zurückfahren müsssen.
    Alf Zimmer, Rektor der Uni Regensburg, klagte, dass die Wissenschaft bereits jetzt chronisch unterfinanziert sei: „Wir sind für 11.000 Studenten ausgebaut und haben 18.000. Wir werden das Angebot dauerhaft reduzieren müssen.“
    Nach Ansicht der Hochschulvertreter gefährden die Einsparungen Forschung und Entwicklung. Damit sei auch die Einwerbung von Drittmitteln der Wirtschaft bedroht. Die Kürzungen könnten Ruf und Qualität des Hochschulstandorts Bayern auf lange Sicht beschädigen, die Ausbildung des akademischen Nachwuchses sei gefährdet. 
    Außerdem fühlen sich die Hochschulen bei „unangenehmen Entscheidungen“ wie dem Einstellen von Studiengängen alleingelassen. Sie forderten mehr Rückendeckung durch die Politik.
    Die SPD-Fraktion sah sich in ihrer Kritik am Sparkurs der Landesregierung bestätigt. Aber auch in den Reihen der CSU war eine gewisse Bewegung zu verzeichnen. So erklärte der Vorsitzende des hochschulpolitischen Ausschusses, Ludwig Spaenle: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“ Er versprach: „Vom nächsten Jahr an müssen die Reinvestitionen im Hochschulbereich beginnen.“
[Text: Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung FH München, 2004-02-18; Süddeutsche Zeitung, 2004-02-19; Merkur, 2004-02-18. Bild: FH München.] www.uebersetzerportal.de

Marion Schick