2004-03-04
Mieter mit Sonderrechten: Sprachmittler dürfen bei verkabelten Häusern Satellitenschüsseln montieren
Übersetzer und Dolmetscher dürfen in Mietshäusern mit Kabelanschluss eine eigene Parabolantenne anbringen, auch wenn die Hausverwaltung ein generelles Verbot erlassen hat. Denn sie sind aus beruflichen Gründen unter Umständen auf Auslandsprogramme angewiesen, die über das Kabel oder eine Gemeinschaftsantenne nicht empfangen werden können. Die Schüssel darf allerdings nicht übermäßig groß sein und muss an einer Stelle angebracht werden, an der sie am wenigsten optisch stört.
    Damit besitzen die Angehörigen unserer Berufsgruppe die gleichen Sonderrechte wie Ausländer, deren Heimatprogramme nicht oder nur in geringer Zahl in das deutsche Kabelnetz eingespeist werden. 
    Ausländer durften immer schon wegen ihres „besonderen Informationsinteresses“ eine Parabolantenne installieren. Das hat der Bundesgerichtshof vor wenigen Wochen noch einmal festgestellt (Aktenzeichen V ZB 51/03 vom 22. Januar 2004). Diese Erlaubnis gilt selbst dann, wenn der Mieter gut Deutsch spricht und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Entscheidend ist lediglich seine Herkunft, aus der ein „spezielles, schützenwertes Interesse an fremdsprachigen Sendern seines Heimatlandes“ resultiert.
    In vielen verkabelten Mietshäusern sind Parabolantennen auf dem Balkon grundsätzlich verboten. Die Eigentümer wollen so verhindern, dass das Erscheinungsbild des Hauses verschandelt wird.
    Dieses generelle Verbot dürfte in den nächsten Jahren durch die EU aufgehoben werden. Bereits im Jahr 2001 hat die EU-Kommission in einem Grundsatzpapier die Mitgliedstaaten darauf hingewiesen, dass jeder EU-Bürger das Recht habe, die von ihm gewünschten europaweiten Fernsehprogramme zu empfangen und damit auch ein grundsätzliches Recht auf eine Parabolantenne bestehe.


Hier wohnen aber viele Übersetzer ...

[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2004-03-03. Bild: Reichl, Spalteholz, Archiv.] www.uebersetzerportal.de