2004-03-12
Doppelmord in Basra: Irakische Dolmetscherinnen erschossen
In Basra, der zweitgrößten Stadt des Irak und Hauptstadt der britischen Besatzungszone, sind gezielt zwei irakische Dolmetscherinnen erschossen worden. Die beiden für das britische Militär arbeitenden Schwestern waren am Abend des 10.03.2004 auf dem Heimweg, als Bewaffnete ihr Taxi anhielten und sie erschossen. 
    Dies ist nicht das erste Mal, dass gezielt Angehörige unserer Berufsgruppe ermordet werden. In den Augen des Widerstands sind irakische Dolmetscher Kollaborateure, die entsprechend zu behandeln sind. Denkbar ist in diesem Fall aber auch, dass die Tat von religiösen Eiferern begangen wurde, denen die beiden unverschleierten, berufstätigen Frauen ein Dorn im Auge waren.
    Im Durchschnitt sind im Irak seit Beginn des Krieges pro Monat mindestens 1,4 Dolmetscher ums Leben gekommen. Dabei haben wir nur die Fälle gezählt, die bis in die deutschsprachige Presse vorgedrungen sind.

Links zum Thema
2004-02-16 Irak: Dolmetscher gelten als Kollaborateure und werden mit dem Tod bedroht
2003-11-19 Mossul: Wieder Schüsse auf Dolmetscher. Sprachmittler wollen nicht mehr gefilmt werden
2003-11-15 Mossul: Gezielt Dolmetscher ermordet

[Text: Richard Schneider. Quelle: Der Standard, 2004-03-11; Kurier, 2004-03-11. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de