2004-03-20
„Sehr erfreulich“ – Christiane Nord präsentiert Umfrageergebnisse zur Berufspraxis von Absolventen der Hochschule Magdeburg-Stendal
Die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) hat letztes Jahr 78 Absolventen des Studiengangs Fachkommunikation (Übersetzen und Dolmetschen) einen Fragebogen zugeschickt. Die Rücklaufquote war mit 77 % außergewöhnlich hoch. Beantwortet wurden 10 Fragen nach dem Beschäftigungsverhältnis, der Branche und den Haupttätigkeiten sowie nach der Zufriedenheit mit dem Studium.

    Prof. Dr. Christiane Nord (60) hat die Umfrage ausgewertet und stellt die Ergebnisse im Internet-Angebot der Hochschule vor. Sie kommt zu folgendem Schluss:

Insgesamt sind die Ergebnisse der Umfrage aus meiner Sicht sehr erfreulich für einen Studiengang, der immerhin erst seit vier Jahren AbsolventInnen in das Berufsleben entlässt. [...] Ein Großteil der AbsolventInnen (gut 78 %) hat eine feste Anstellung gefunden (ca. 60 % nach maximal 10 Bewerbungen), bei der sie neben dem Übersetzen auch andere organisatorische und leitende Tätigkeiten ausüben. Die vielgeschmähten „FremdsprachensekretärInnen“-Stellen machen nur einen sehr geringen Anteil aus (8,7 %), auch von ihnen müssen die meisten gelegentlich übersetzen. Die übrigen sind freiberuflich tätig und nach ca. 6-12 Monaten auf dem Markt etabliert. Dass der Arbeitsmarkt für die AbsolventInnen der Jahrgänge 2002 und 2003 nicht so rosig aussieht wie für die der Jahrgänge 2000 und 2001, hängt mit der allgemeinen Wirtschaftslage zusammen.
Der Studienplan sollte ihrer Ansicht nach wie folgt angepasst werden:
Die Sachfächer müssen besser strukturiert und insgesamt aufgewertet werden. Angesichts des hohen Anteils an Beschäftigten in Automobilindustrie und Anlagenbau sollte der Anteil der Technik an den Sachfächern nicht reduziert, aber stärker auf diese Bereiche fokussiert werden. Dem hohen Anteil an Projektmanagement- und organisatorischen Tätigkeiten sollte durch ein entsprechendes Angebot Rechnung getragen werden.
Nord plädiert dafür, die Studenten besser über die Lage auf dem Arbeitsmarkt aufzuklären. Unter Bezug auf eine der Rückmeldungen schreibt sie: „Wer in 4 Jahren 30 Bewerbungen auf ,Übersetzerstellen' geschrieben hat (das sind weniger als 8 pro Jahr!) und dann an sich und der Welt verzweifelt, dessen Berufsvorstellungen gehen an der Wirklichkeit vorbei.“ Die Uni sollte deshalb verstärkt über die Möglichkeiten einer freiberuflichen Tätigkeit informieren.
    Die vollständige Auswertung der Umfrage – garniert mit zahlreichen Grafiken – finden Sie hier. Die Startseite des Studiengangs besitzt diese Adresse: www.fachkommunikation.hs-magdeburg.de.
 
Prof. Dr. Christiane Nord ist Dipl.-Übersetzerin für Spanisch und Englisch (Uni Heidelberg). Ebenfalls in Heidelberg promovierte sie in romanischer Philologie. Seit 1967 bildet sie Übersetzer aus. Nach Stationen in Heidelberg (1967-1994), Wien (1991-1992), Hildesheim (1994-1996) und Innsbruck (1996) lehrt sie seit 1996 als Professorin für Translationswissenschaft und Fachkommunikation an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). 

[Text: Richard Schneider. Quelle: Hochschule Magdeburg-Stendal 2003. Bild: HS Magdeburg-Stendal.] www.uebersetzerportal.de


Christiane Nord