2004-04-09
Sprachexot Malta: Warum es so schwierig ist, Dolmetscher zu finden
Am 1. Mai 2004 wird das 400.000 Einwohner zählende Malta Mitglied der Europäischen Union, aber bislang konnten die Sprachendienste noch keinen einzigen Simultandolmetscher für Maltesisch rekrutieren – 40 werden gebraucht.
    Einige Fakten zum sprachlichen Unikum Maltesisch: Das Maltesische (Malti) ist eine Sprache semitischen Ursprungs, deren Grammatik, Laut- und Wortbildung mit dem Arabischen verwandt sind. Im Lauf der Jahrhunderte haben das Sizilianische und in jüngster Zeit das Englische einen großen Einfluss auf den Wortschatz ausgeübt. Als Schrift wird das lateinische Alphabet mit diakritischen Zeichen benutzt. 
    Das staatliche Fernsehen sendet nur auf Maltesisch, von den vier Tageszeitungen erscheinen zwei auf Englisch und zwei auf Malti. Die Insel ist eine Festung des Katholizismus, aber das Wort für „Gott“ ist „Alla“. Im Internet-Angebot des österreichischen Fernsehens ORF heißt es dazu:
Die Bevölkerung Maltas hat immer Maltesisch gesprochen. Malti ist also keine Sprache, die etwa wie das Gälische in Irland schon fast in Vergessenheit geraten war und erst künstlich wiederbelebt werden musste. Nein, Malti war die Sprache, die alle Bevölkerungsschichten verwendeten – meist aber nur zu Hause. Sie galt als die Sprache der Familie und dem Italienisch sprechenden Bürgertum bisweilen abwertend als Bauernsprache.
    Seit 1936 sind Malti und Englisch die offiziellen Sprachen [vorher war es Italienisch], und das Maltesische ist der zentrale Bestandteil der maltesischen Identität. Das war auch Hauptargument in den Verhandlungen mit der EU, als es darum ging, ob Maltesisch eine offizielle EU-Sprache werden solle oder nicht.
    Die EU meinte, dass auch Irland nicht auf dem Gälischen oder Luxemburg auf dem Letzeburgischen als EU-Sprache bestanden hätten. Da könnte sich doch auch Malta mit dem Englischen begnügen.
    Die Malteser hingegen argumentierten, dass die früheren ex-sowjetischen Republiken Estland, Lettland und Litauen ja schließlich auch nicht das Russische als EU-Sprache verwenden würden. Das kleine Malta müsse aufpassen, in der großen Europäischen Union nicht seine Identität zu verlieren. So wird also am 1. Mai das Maltesische zur 20. Amtssprache der EU werden.
Textbeispiel Maltesisch: Die Nationalhymne

Lil din l-art helwa, l-Omm li tatna isimha
hares, Mulej, kif dejjem Int harist:
Ftakar li lilha bilohla dawl libbist!
Aghti, kbir Alla, id-dehen lil min jahkimha,
Rodd il-hniena lis-sid, sahha ´l-haddiem:
Seddaq il-ghaqda fil-Maltin u s-sliem!

Auf Deutsch heißt das:

Schütze es, O Herr, wie du es immer beschützt hast,
dieses Mutterland; dieses gute, dessen Namen wir tragen!
Behalte es in Erinnerung, das du so schön erschaffen hast!
Möge er, der regiert, für seine Weisheit geachtet werden;
unter der Gnade des Herrn die Stärke im Menschen wachsen.
Stärke uns alle in Einheit und Frieden!

Weitere Textbeispiele einschließlich der hier fehlenden diakritischen Zeichen finden Sie unter www.gov.mt, dem Internet-Angebot der maltesischen Regierung.

Einen weiteren Artikel zur Sprachenfrage und dem EU-Beitritt Maltas können Sie in der Sächsischen Zeitung lesen. (Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.)

Link zum Thema
2004-02-14 EU verzweifelt: Noch kein einziger Dolmetscher für Maltesisch gefunden
[Text: Richard Schneider. Quelle: Deutsche Welle, 2004-02-20; Sächsische Zeitung, 2004-04-08. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de