2004-04-11
Dolmetscherfehde im Hamburger LKA
Eine jahrelange Vollzeitbeschäftigung als Gerichts- und Polizeidolmetscher ist trotz aller Honorarkürzungen in diesem Bereich immer noch eine gute Möglichkeit, schnell reich zu werden. Wer zehn oder zwanzig Jahre durchhält, kann da ohne weiteres zum Millionär werden, wie schon die Berliner Dolmetscheraffäre gezeigt hat. Allerdings muss man dafür eine der Hauptverkehrssprachen des internationalen Rauschgifthandels oder Terrorismus beherrschen.
    Entsprechende Daueraufträge der Polizei sind heißbegehrt. Im Kampf um die lukrativen Jobs gehen die Dolmetscher nicht gerade zimperlich miteinander um, sondern versuchen, sich gegenseitig zu diskreditieren.
    So beschuldigt ein 45 Jahre alter Dolmetscher, der früher für das Hamburger Landeskriminalamt (LKA) arbeitete, eine türkische Kollegin, Dienstgeheimnisse an Rauschgifthändler zu verraten. Vor zwei Jahren zeigte der Mann seine Kollegin deshalb an. Die Staatsanwaltschaft und das Dezernat Interne Ermittlungen (DIE) nahmen Untersuchungen auf, konnten aber keine Beweise für die Anschuldigungen finden. Die Frau arbeitet deshalb weiterhin für das LKA. Das Hamburger Abendblatt schreibt:
Der Chef des DIE, Detlef Kreutzer: „Während der langjährigen Zusammenarbeit mit der Dolmetscherin wurden zahlreiche hochkarätige Rauschgift-Verfahren erfolgreich zum Abschluss gebracht. Es gibt für uns keine Anhaltspunkte, dass von ihr irgendwas verraten wurde.“ Die Ermittlungen hätten bislang nicht abgeschlossen werden können, weil [der beschuldigende Dolmetscher] regelmäßig immer neue Hinweise liefern würde, die alle überprüft werden müssten.
Der in dem Verfahren ermittelnde Hauptkommissar gibt zu bedenken, dass bei der Bewertung der Vorwürfe zu berücksichtigen sei, dass „ein berufliches Konkurrenzverhältnis“ zwischen dem Mann und der Frau bestehe.
    Zwischen dem Dolmetscher und dem LKA war es vor einiger Zeit zum Streit gekommen. Der Mann erhält seitdem keine Aufträge mehr, hat aber nach eigenen Angaben gegenüber dem LKA noch offene Forderungen von mehr als 200.000 Euro für die Übersetzung und Auswertung von abgehörten Telefongesprächen.
    Den vollständigen Artikel können Sie im Hamburger Abendblatt lesen. (Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.) 
[Text: Richard Schneider. Quelle: Hamburger Abendblatt, 2004-04-10. Bild: LKA Hamburg.] www.uebersetzerportal.de


Das LKA in Hamburg