2004-06-22
Irak: Koreanischer Dolmetscher entführt. Terroristen drohen mit Enthauptung
Im Irak haben Terroristen den koreanischen Dolmetscher Kim Sun-il (33) entführt und drohen mit seiner Enthauptung, falls Südkorea nicht seine Soldaten aus dem Irak abzieht.
    Kim Sun-il, dessen Arbeitssprachen Arabisch, Englisch und Koreanisch sind, arbeitet für die Gana General Trading Company, die die US-Armee mit Material und Lebensmitteln versorgt. Er war erst vor fünf Wochen in den Irak gekommen. 
    Mit ihm befinden sich wahrscheinlich noch rund zehn weitere Gefangene verschiedener Nationen in den Händen der Entführer. Die Gruppe war am 20.06.2004 nach dem Besuch eines US-Militärlagers in der Nähe von Falludscha verschleppt worden.
    Die Entführer bezeichnen sich als Mitglieder der Gruppe „Monotheismus und Dschihad“. Als Führer dieser Organisation gilt der Jordanier Abu Mussab el Sarkawi.
    In einer Videobotschaft wird Südkorea aufgefordert, binnen 24 Stunden die Entscheidung zurücknehmen, weitere Truppen in den Irak zu entsenden. Gleichzeitig verlangen die Terroristen den Abzug aller bereits im Land stationierten koreanischen Soldaten. Anderenfalls würden sie der Regierung in Seoul „den Kopf dieses Koreaners schicken“. In dem Video fleht Kim Sun-il auf Englisch seine Regierung an, die Forderungen der Terroristen zu erfüllen: „Bitte geht. Ich will nicht sterben.“
    Der südkoreanische Außenminister Ban Ki Moon sagte, seine Regierung versuche mit der Truppenentsendung dem irakischen Volk zu helfen, „deshalb sollten die Entführer die Geisel sofort wieder freilassen“. Die Forderung nach einem Abzug lehnte er ab. Es würden auf jeden Fall weitere Soldaten in den Irak entsandt.
    Vor wenigen Tagen hatte Südkorea angekündigt, 3.000 Mann nach Erbil in den Nordirak zu schicken. Schon jetzt sind im südirakischen Nassirijah 600 koreanische Sanitäter und Pioniere stationiert. Mit dann 3.600 Mann würde Südkorea nach den Amerikanern und Briten das größte Kontingent stellen.


Die Entführer mit ihrer Geisel


Die Eltern Shin Young-ja (links) und Kim Jong-kyu bangen 
um das Leben ihres Sohnes


Die Entführung hat in Südkorea die Diskussion um 
die Beteiligung an der Besatzung des Iraks erneut 
angeheizt

[Text: Richard Schneider. Quelle: N24, FAZ, Bild, Netzeitung; alle 2004-06-21. Bild: diverse.] www.uebersetzerportal.de


Kim Sun-il