2004-07-14
Grazer Patientenverwechslung in anderen Kliniken undenkbar?
Nach den folgenschweren Sprachschwierigkeiten im Grazer Landeskrankenhaus, wo eine im sechsten Monat schwangere Türkin versehentlich entbunden wurde, haben sich nun andere Kliniken zu Wort gemeldet und ihr Unverständnis bekundet.
    In Innsbruck erhält bereits seit zwei Jahren jeder Patient, der aufgenommen wird, ein Identifikationsband mit Name, Geburtsdatum und einer zusätzlichen Nummer. „Es gibt Menschen mit völlig identischen Namen. Ist auch das Geburtsdatum noch gleich, gibt es auch noch eine Identifikationsnummer“, erklärt der Vorstandsdirektor der Tiroler Krankenanstalten, Herbert Weissenböck.
    In der Frauenklinik erhalten Neugeborene dasselbe Identifikationsband wie die Mutter – schon bevor sie den Kreißsaal verlassen. Alain Zeimet, stellvertretender Leiter der Frauenklinik, zeigt sich über die Vorfälle in Graz verwundert. Er verstehe nicht, warum nicht sofort ein Dolmetscher geholt wurde.
    In Innsbruck stehen zahlreiche Dolmetscher bereit, die jederzeit gerufen werden können. „In allen erdenklichen Sprachen, bis hin zu Suaheli", wie Weissenböck betont. Und sogar die wichtigsten Wegweiser auf dem Klinikgelände sind dreisprachig ausgeführt. Und zwar in den tatsächlich von den Patienten gesprochenen Sprachen Deutsch, Kroatisch und Türkisch – und nicht (wie so oft) in den de facto nur selten benötigten Touristensprachen Englisch und Französisch. 
    In Salzburg startet das Berufsförderungsinstitut (BFI) im Herbst 2004 die Pilotphase EU-Projektes „Gesunde Sprachen“, bei dem gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Großbritannien, Tschechien und Slowenien Unterrichtsmaterial unter anderen in tschechischer und slowenischer Sprache für das Pflegepersonal erarbeitet werden. Dabei geht es vor allem um die Übersetzung medizinischer Begriffe für die Mitarbeiter im Gesundheits- und Sozialwesen. „Bisher gab es ja nur Kursmaterial in englischer Sprache“, so BFI-Direktor Helmut Uitz.
    Ein Lehrgang soll aus 90 Unterrichtsstunden in vier Modulen bestehen. Die EU fördert das Projekt mit rund 500.000 Euro.

Link zum Thema
2004-07-10 Patientin verwechselt, weil „kein Dolmetscher greifbar“: Kaiserschnitt statt Herztonuntersuchung
[Text: Richard Schneider. Quelle: Tirol, 2004-07-14; Kleine Zeitung, 2004-07-15. Bild: Tiroler Krankenanstalten.] www.uebersetzerportal.de


Herbert Weissenböck