2004-07-27
Teamchef Godefroot relativiert harsche Kritik an Jan Ullrich. Übersetzung habe Aussagen verfälscht
Die Tour de France ist mit einem weiteren Sieg von Lance Armstrong zu Ende gegangen. Andreas Klöden fuhr auf Platz 2, der anfangs durch eine Erkältung geschwächte Jan Ullrich auf Platz 4 der Gesamtwertung, das T-Mobile-Team wurde Sieger in der Mannschaftswertung. Aus deutscher Sicht eine zufrieden stellende Bilanz, die aber die hohen Erwartungen offenbar nicht erfüllte. 
    „Gemessen an unseren Ansprüchen, die Tour gewinnen zu wollen, können wir mit Ullrich nicht zufrieden sein, egal wo die Gründe dafür liegen“, sagte Teamchef Walter Godefroot (61) der französischen Sportzeitung L'Équipe noch vor der letzten Etappe. Godefroot weiter: „Ein Champion wie Armstrong lebt für das Radfahren, Jan hingegen fährt Rad, um zu leben. Er ist kein Killer, keine Bestie.“ In einem zweiten Gespräch mit dem Figaro bekräftigte er noch seine Kritik. 
    Bei den deutschen Fahrern löste die harsche Kritik des Teamchefs Irritationen aus, denn sie sind überzeugt, ihr Bestes gegeben zu haben.
    Um den Frieden im Rennstall halbwegs zu wahren, ruderte der Belgier Godefroot am nächsten Tag zurück und schob die Schuld auf die Übersetzer. Er habe eine sachliche Bewertung abgegeben, die aber teilweise „völlig anders interpretiert“ worden sei. Durch die Übersetzung seien seine Aussagen „verfälscht rübergekommen“. Die Aussage, dass Ullrich kein „Killer“ sei, sei im Übrigen positiv gemeint. „Er ist mehr ein gemütlicher Mensch.“ Godefroot kündigte an, sich in den nächsten Tagen mit Ullrich zusammenzusetzen.
[Text: Richard Schneider. Bild: Tour de France, Pressestelle T-Mobile-Team.] www.uebersetzerportal.de

Walter Godefroot