2004-08-01
Telefonüberwachung: Falschübersetzung aus Angst vor Repressalien
Das Abhören und Übersetzen abgehörter Telefonate ist für unsere Berufsgruppe eine konjunkturunabhängige Einnahmequelle mit zweistelligen Zuwachsraten. Aber auch dieser Job hat seine negativen Seiten. In der Welt am Sonntag lesen wir:
Zusätzlich erschwert werden die Überwachungsmaßnahmen dadurch, dass über 90 Prozent der mitgehörten Gespräche nicht auf Deutsch geführt werden. Die Polizei ist auf Dolmetscher angewiesen, die zuverlässig und gleichzeitig hoch kompetent sein müssen. In der Vergangenheit gab es Fälle, bei denen Dolmetscher falsch übersetzten, weil sie bestimmte Dialekte nicht verstanden oder Angst vor Repressalien hatten. 
Die Zeitung berichtet über die Jahresbilanz des Hamburger Landeskriminalamts, das 2003 mehr als 700 Telefonanschlüsse abgehört hat 10 Prozent mehr als im Vorjahr. 1992 waren es lediglich 184. Die Steigerungen sind aber vor allen Dingen auf ein verändertes Telefonverhalten zurückzuführen, denn manche Täter benutzen bis zu 20 verschiedene Handynummern. Dadurch stieg in den letzten Jahren die Zahl der abgehörten Telefonnummern, die der abgehörten Personen blieb jedoch praktisch konstant. Der größte Teil der Überwachungen entfällt auf die Drogenkriminalität, ein kleinerer, aber steigender Teil auf den Islamismus.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Welt am Sonntag, 2004-08-01. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de