2004-08-08
Dolmetscher „Samir“ schildert erstmals Einzelheiten der Saddam-Festnahme
Dolmetscher sind bei vielen geschichtlich bedeutsamen Ereignissen an vorderster Front dabei und somit wichtige Zeitzeugen. Ein irakischstämmiger Dolmetscher der US-Streitkräfte hat jetzt erstmals Einzelheiten der Festnahme von Saddam Hussein (67) am 13. Dezember 2003 geschildert. 
    Der mit dem Vornamen „Samir“ vorgestellte Soldat berichtete gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN, der Aufenthaltsort des irakischen Präsidenten sei von einem seiner Leibwächter verraten worden. Samir war als Dolmetscher dabei, als dieser von den Amerikanern verhört wurde. Der Leibwächter habe angefangen zu weinen und gesagt: „Bringt mich nicht um. Ich zeige euch, wo Saddam ist.“ Hussein wurde daraufhin auf einem Bauernhof bei Tikrit in einem Erdloch aufgespürt. Ob der gesprächige Leibwächter gefoltert worden war, ist unklar.
    Laut Samir hat Saddam seinen Namen erst genannt, als er ihn angeschrien habe. Außerdem habe der frühere Präsident des Iraks zwei Worte Englisch gesprochen – „America, why?“ –, die er dreimal hintereinander wiederholt habe. Ein anderer Soldat habe dann erklärt: „Wir sind hier, weil Präsident Bush uns beauftragt hat, Sie zu suchen.“ Nachdem der Dolmetscher das übersetzt hatte, habe Saddam auf Arabisch geschimpft: „Meine Schuhe sind besser als du und deine Familie.“
    Nach Angaben von Samir kam es zu einem Handgemenge. Er habe Saddam gesagt: „Wenn du ein richtiger Mann wärst, hättest du dir das Leben genommen. Du bezeichnest dich als Held und Führer der arabischen Nation. Du bist ein Niemand.“ Als Saddam ihn als Verräter und Spion bezeichnete, sei er so wütend geworden, dass er Saddam mehrfach ins Gesicht geschlagen und am Bart gezogen habe. Andere Soldaten hätten ihn stoppen müssen.
    Saddam habe dann gefragt, ob er Geisel oder Kriegsgefangener sei. „Wir haben ihm gesagt, der Krieg ist vorbei und du bist Geschichte“, so Samir. Saddam habe geantwortet: „Nein, der Krieg ist nicht vorbei.“ Eine Einschätzung, mit er Recht behalten sollte.
    Samir stammt aus Nassirija und gehört zu den von Saddam unterdrückten Schiiten. Er war nach eigenen Angaben während des ersten Golfkriegs im Frühjahr 1991 nach Kuwait geflüchtet. Dort lebte er mehrere Jahre in einem von Saudi-Arabien finanzierten Flüchtlingslager. Nachdem ihm die UN den Flüchtlingsstatus zuerkannten, sei er in die USA ausgewandert und später US-Bürger geworden. Als er gehört habe, dass Dolmetscher benötigt werden, habe er sich gemeldet und sei genommen worden. Samir kam im April 2003 in den Irak, nachdem Bagdad bereits gefallen war.
    Das Foto, das ihn über Saddam gebeugt zeigt, präsentierte er stolz Präsident Bush, dem er vergangenen Monat die Hand schütteln durfte: „Ich sagte ihm: ,Sir, das bin ich über Saddam.' Und er sagte, er kenne das Foto. Er habe es bereits gesehen.“


Dolmetscher „Samir“ lässt seine Wut am irakischen Diktator aus. Das Foto gehört zu den einige Monate nach der Festnahme im Internet aufgetauchten inoffiziellen Fotos, die von US-Soldaten mit privaten Digitalkameras aufgenommen wurden
[Text: Richard Schneider. www.uebersetzerportal.de]


Dolmetscher „Samir“