2004-08-17
ADÜ-Nord-Umfrage zur Einkommenssituation von Freiberuflern mit Arbeitssprache Deutsch
„Ich bin freiberufliche Übersetzerin und ziehe nächstes Jahr von Frankreich nach Deutschland um. Welcher Preis wird denn in Deutschland für Rechtsübersetzungen gezahlt?“ –  „Ich soll ein Angebot für einen dreitägigen Konferenzdolmetscheinsatz abgeben. Was nimmt man denn da?“ – „Ich habe einen Auftrag für eine Fachbuchübersetzung bekommen, aber der Verlag will nur 18 Euro pro Seite zahlen – ist das normal!?“
    Da sind sie wieder, die Fragen nach den „marktüblichen Preisen“, die nicht nur Berufseinsteiger stellen. Sie tauchen fast täglich in den Geschäftsstellen der Übersetzerverbände und in den einschlägigen Mailinglisten auf. Befriedigende Antworten sind schwer zu bekommen. Die Verbände dürfen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine Auskunft geben und die Informationen von Kollegen sind ein reines Zufallsergebnis. 

Ist-Zustand
Angesichts dieses Informationsvakuums wird immer wieder der Wunsch nach einer Marktstudie laut, die die aktuelle Situation der freiberuflichen Übersetzer und Dolmetscher im Zeitalter des Internet und der Globalisierung beleuchtet. Es gibt bereits einige Studien, aber die sind entweder schon recht betagt („Fragebogenaktion zur Berufspraxis der Übersetzer und Dolmetscher“ 1988 von Prof. Dr. Peter A. Schmitt und dem BDÜ) oder erfassen nur eine kleine Gruppe von Übersetzern (regelmäßige Gehaltsbefragungen der amerikanischen ATA und des englischen ITI).
    Auch auf dem Strategie-Workshop des ADÜ Nord im März dieses Jahres war der Ruf nach einer Umfrage unter Kollegen zu vernehmen. Der Vorstand und einige Beauftragte haben sich konkret mit dieser Forderung auseinandergesetzt und beschlossen, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen.

Rahmenbedingungen
Als erstes wurde durch eine offizielle Anfrage beim deutschen Kartellamt abgeklärt, was wir als Berufsverband beachten müssen, wenn wir eine solche Umfrage durchführen und die Ergebnisse veröffentlichen. Die wichtigste Anforderung ist, dass die Ergebnisse nicht als Empfehlung für zukünftige Preisverhandlungen, sondern als Information über die Marktsituation zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit formuliert werden.
    Als nächstes konnten wir die Unterstützung des Hamburger Marktforschungsinstitut PhoneResearch für die technische Durchführung dieses Vorhabens gewinnen, denn die Befragung soll hauptsächlich über einen Fragebogen im Internet durchgeführt werden.
    Für die inhaltlichen Belange wurde die AG Frabo gegründet, die sich seit Juni unter der Leitung von Marketingberaterin Thea Döhler mit der Zielsetzung, Umsetzung und Auswertung dieser Studie befasst. Dass Thea sich auch mit Befragungen auskennt, wissen wir spätestens seit ihrem ausführlichen Artikel über Kundenbefragungen (siehe Infoblatt 5 und 6/2002 oder unter www.adue-nord.de, Archivtext Nr. 8).

Zielsetzung
Im Vordergrund steht die Informationsbeschaffung und Bereitstellung von aktuellen Marktdaten und der Wunsch, Transparenz und Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen. Berufseinsteigern aber auch gestandenen Kollegen soll damit die Orientierung in unserem Berufsfeld erleichtert werden. Positive Nebeneffekte sind dabei eine bessere Wahrnehmung unserer Berufsgruppe in der Öffentlichkeit sowie ein steigender Bekanntheitsgrad des ADÜ Nord.

Zielgruppe
Befragt werden sollen freiberuflich tätige Fachübersetzer und Dolmetscher mit der Arbeitssprache Deutsch, die haupt- oder nebenberuflich arbeiten. Auch Berufseinsteiger und Kollegen, die seit höchstens einem Jahr nicht mehr aktiv sind, werden berücksichtigt. Nach sorgfältiger Abwägung haben wir entschieden, die Befragung nicht geographisch zu begrenzen, weil die Globalisierung des Übersetzer- und Dolmetschermarkts inzwischen sehr weit fortgeschritten ist. Auch Kollegen, die nur Teilzeit arbeiten oder nur einen Teil ihres Lebensunterhalts mit Fachübersetzen oder Dolmetschen verdienen und außerdem noch einer anderen Tätigkeit (wie Literaturübersetzer, Sprachlehrer, Angestellter, Haushaltsmanager, Übersetzungsagenturinhaber etc.) nachgehen, können an der Befragung teilnehmen.

Umsetzung
Die Befragung wird von Mitte Oktober 2004 bis Ende Januar 2005 stattfinden. Dem Oktober-Infoblatt wird der vierseitige Fragebogen als Papierversion beiliegen und ab Mitte Oktober wird die Online-Version des Fragebogens verfügbar sein. Unter der dann veröffentlichten Internetadresse kann dann weltweit jeder deutschsprachige Übersetzer und Dolmetscher mit Internetzugang an der Befragung teilnehmen. 
    Natürlich wird es die Papierversion auch als PDF-Datei zum Herunterladen von der Internetpräsenz des ADÜ Nord geben. Auf Wunsch faxen oder versenden wir den ausgedruckten Fragebogen auch – es soll hinterher keiner sagen, er hätte nicht an der Umfrage teilnehmen können, weil er keinen Fragebogen bekommen hat!

Inhalte
Inhaltlich wird es um die Themenbereiche Sprachrichtungen, Fachgebiete, genaue Art der Tätigkeit, Abrechnungsmodi, Einkommen, Auslastung, Kollegenkooperation, Kundenstruktur, Nutzung von Weiterbildungs-angeboten, Mitgliedschaft in Fachverbänden und Softwareeinsatz gehen.

Auswertung
Die Analyse und Auswertung der Daten erfolgt ab Februar 2005 durch die AG Frabo mit Unterstützung von PhoneResearch. 
    Auf den 2. ADÜ-Nord-Tagen Anfang April 2005 werden die ersten Ergebnisse präsentiert. Eine Kurzfassung der Studienergebnisse wird im Infoblatt und anderen Publikationen veröffentlicht. Bis Mitte 2005 wird ein ausführlicher, kostenpflichtiger Studienbericht erstellt, den ADÜ-Nord-Mitglieder zum Vorzugspreis erhalten.

Jetzt sind Sie dran!
Diese Befragung ist ein Großprojekt, das der „kleine“ ADÜ Nord nur Dank tatkräftiger Unterstützung durch PhoneResearch und Thea Döhler überhaupt auf die Beine stellen kann. 
    Aber die beste Befragung ist nichts wert, wenn die Anzahl der ausgefüllten Fragebögen nicht groß genug ist. Deswegen unsere Bitte an Sie: 
    Machen Sie selbst auf jeden Fall mit und erzählen Sie Ihren deutschsprachigen Kollegen auf der ganzen Welt schon jetzt von unserem Vorhaben. Vielleicht können Sie über einen gewissen Zeitraum einen Hinweis auf diese Befragung in Ihre E-Mail-Signatur aufnehmen oder auf Ihrer Internetpräsenz veröffentlichen?
    Erwähnen Sie diese Umfrage bitte auch auf Kollegentreffen, Stammtischen, Mailinglisten und Internet-Foren. Wir möchten die Angaben möglichst vieler Fachübersetzer und Dolmetscher mit der Arbeitssprache Deutsch auf der ganzen Welt sammeln. 
    Jeder, der diesen Fragebogen zwischen Oktober 2004 und Januar 2005 ausfüllt, trägt entscheidend zum Gelingen dieses Projekts bei. Profitieren tun wir letztendlich alle davon, aber eben nur, wenn jeder seinen eigenen, kleinen Beitrag dazu leistet!
    Fragen und Anregungen richten Sie bitte an Helke Heino unter folgender E-Mail-Adresse: infoblatt@adue-nord.de.
[Text: Helke Heino, ADÜ Nord. Bild: ADÜ Nord, Heino, Döhler, Schmidt. www.uebersetzerportal.de]


Helke Heino


Thea Döhler


Umfrage-Veteran 
Peter A. Schmitt