2004-08-18
Eigennamen in der Übersetzung am Beispiel der Harry-Potter-Bände
Die Zauberschule, die Harry Potter besucht, heißt „Hogwarts“, wörtlich „Schweinewarzen“. Sollte man das auch so übersetzen? „Nein“, meint der deutsche Harry-Potter-Übersetzer Klaus Fritz, der die meisten Eigennamen im Original beließ. 
    Sein niederländischer Kollege Wiebe Buddingh' entschied sich allerdings anders und übertrug 87 Prozent der Eigennamen in seine Muttersprache. So wurde „Hogwarts“ zu „Zweinstein“. In einem Interview mit dem NRC Handelblad erklärt Buddingh' sein Vorgehen wie folgt: „Eerst had ik alle Engelse namen en begrippen van Rowling gelaten zoals ze waren. Maar een groot deel van de humor ging daardoor verloren. We besloten om de nodige namen te vernederlandsen en grappiger te maken.“
    Die Harry-Potter-Vermarkter, die sich mit allerlei Schnickschnack und Firlefanz rund um die Geschichten eine goldene Nase verdienen, drängen übrigens darauf, möglichst wenig Eigennamen zu übersetzen, um die Artikel (z.B. Potters Sportbesen „Nimbus 2000“) nicht in jedem Land unter einem anderen Namen vermarkten zu müssen.
    Dr. Dietlind Krüger hat im Sommer an der Universität Leipzig ein Seminar zum Thema „Eigennamen in der Übersetzung“ durchgeführt. Dabei waren die mittlerweile in 47 Sprachen übersetzten Harry-Potter-Bände ein gutes Studienobjekt. Im Leipziger Universitätsjournal hat sie einen Artikel dazu veröffentlicht. Eine gekürzte Fassung findet sich in der Zeit. (Sowohl die Uni-Dozentin als auch die Zeit-Journalistin halten Wiebe Buddingh' übrigens für eine Frau.)


Harry Potters Sportbesen Nimbus 2000 kostet 19,99 US-Dollar

[Externe Links. Möglicherweise nicht mehr gültig.]
[Text: Richard Schneider. Quelle: Universitätsjournal Leipzig, Juli 2004; Zeit, 2004-08-05. www.uebersetzerportal.de]


Klaus Fritz


Wiebe Buddingh'


Der Nimbus 2000 im praktischen Einsatz