2004-08-29
Guantánamo: Falschübersetzung bei Verhören, unfähige Dolmetscher bei Anhörung vor Militärkommission
Journalisten der arabischen Fernsehsender Al-Dschasira und Al-Arabija haben Fehler in der offiziellen Übersetzung von Aussagen der Guantánamo-Gefangenen aufgedeckt. 
    So habe ein saudi-arabischer Häftling berichtet, dass er nach Afghanistan gegangen sei, um sich für den Kampf in der Kaukasusrepublik Tschetschenien ausbilden zu lassen. In der Übersetzung sei daraus geworden, dass der Mann in dem afghanischen Trainingscamp „einer Art Kult“ beitreten wolle. Außerdem sei die afghanische „Nordallianz“ mit „Vereinigte Staaten“ bzw. „die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten“ übersetzt worden.
    Militärsprecher der US-Marinebasis auf Kuba gaben die Fehler zu und versprachen, die betroffenen Gefangenen nochmals zu vernehmen.
    Unterdessen haben die ersten vier Anhörungen vor der amerikanischen Militärkommission in Guantánamo stattgefunden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat die Sitzungen als konfus und chaotisch bezeichnet. Sie kritisierte vor allem das „grundsätzlich mangelhafte Gerichtsverfahren“ und die unzulänglichen Leistungen der Dolmetscher. Diese seien unfähig gewesen, die Aussagen der arabischen Muttersprachler einigermaßen zutreffend zu übersetzen.
[Text: Richard Schneider. www.uebersetzerportal.de]