2004-08-31
IALT Leipzig: Zwei Seminararbeiten zur Geschichte des Dolmetschens
Auf der Website des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Uni Leipzig finden sich zwei interessante Seminararbeiten, die unter Leitung der Dozentin Heidemarie von Bergen entstanden sind: Die Geschichte des Dolmetschens von Solveig Teichert und Zur Geschichte des Simultandolmetschens von Dorothé Salomo. (Die entsprechenden Links finden Sie weiter unten.)
    Eine kleine kritische Anmerkung: Die Teichert-Arbeit ist von der Vorstellung durchzogen, Berufsdolmetscher gebe es erst seit dem 20. Jahrhundert, vorher habe unsere Berufsgruppe aus nicht fachgerecht ausgebildeten Quereinsteigern bestanden. Das entspricht zwar der zurzeit herrschenden Meinung, ist aber nachweislich falsch. Berufsdolmetscher gab es schon bei Cäsar und Kleopatra, wie Claudia Wiotte-Franz in ihrer Dissertation (Hermeneus und Interpres Zum Dolmetscherwesen in der Antike) nachgewiesen hat. Und eine universitäre Dolmetscherausbildung existiert in Deutschland seit Bismarck. 
    Leider ist die Vor- und Frühgeschichte unserer Berufsgruppe kaum erforscht, so dass sich alle an das gut dokumentierte 20. Jahrhundert halten. Diese verkürzte Sicht der Dinge wird unserer Berufsgruppe, die zu den ältesten der Welt gehört, aber nicht gerecht.


Eine zentrale Figur in der Dolmetschgeschichte des 20. Jahrhunderts: Dr. Paul Schmidt (2. von rechts), hier mit Chamberlain, Mussolini und Hitler auf der Münchner Konferenz zur Beilegung der Sudetenkrise am 29.09.1938. Schmidt war Chefdolmetscher aller deutschen Reichsregierungen von 1924 bis 1945. Nach dem Krieg leitete er als Direktor das Sprachen- und Dolmetscherinstitut (SDI) München.

Die Leipziger Seminararbeiten können Sie hier lesen:

(Externe Links. Möglicherweise nicht mehr gültig.)

Link zum Thema
2004-06-30 Konstantinopel, 567 n. Chr.: Kaiser Iustinus II. schiebt Schuld für Streit mit Persern auf Dolmetscher
[Text: Richard Schneider. www.uebersetzerportal.de]