2004-09-12
FAZ kritisiert Fehlübersetzung von EZB-Berichten durch Deutsche Bundesbank
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main hat diese Woche ihren Monatsbericht vorgelegt – auf Englisch, denn das ist die Arbeitssprache der Bank. Für die Übersetzung in die 18 Sprachen der 25 Mitgliedstaaten sind die nationalen Notenbanken zuständig, in Deutschland also die Deutsche Bundesbank. Die Übersetzungen des internen Sprachendienstes werden von den Fachabteilungen der Bundesbank gegengelesen, nicht aber von der EZB.
    Ein Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung glaubt, Übersetzungsfehler entdeckt zu haben. Die EZB weise der monetären Analyse von Geldmengen, Kreditgrößen und anderen Indikatoren eine hervorgehobene Rolle (im Englischen: a prominent role) zu. So stehe es in der englischen Fassung des Monatsberichts. In der deutschen Übersetzung sei aber von einer „zentralen Rolle der monetären Analyse“ die Rede. Bisher habe die Bundesbank prominent immer mit „prominent“, „herausragend“ oder „hervorgehoben“ übersetzt. 
    Von einer „zentralen“ Rolle zu sprechen, sei aber falsch, denn Bundesbankpräsident Axel Weber habe noch vor wenigen Wochen erklärt: „Die monetäre Analyse ist wichtig, aber nicht zentral.“ Wenn prominent jetzt plötzlich mit „zentral“ übersetzt werde, könnten manche Beobachter darin eine Abkehr von der bisherigen geldpolitischen Strategie sehen. Der Autor weiter:
Dem oberflächlichen Leser mag es nahezu gleichwertig scheinen, ob etwas „prominent“ oder „zentral“ ist. Geldpolitiker aber sind es gewöhnt, ihre Worte auf die Goldwaage zu legen. Feinste Unterscheidungen haben da großes Gewicht.
Und was meint die Deutsche Bundesbank zu den Vorwürfen? Sie erkennt nach Angaben eines Sprechers keinen Unterschied zwischen „hervorgehoben“ und „zentral“. Und die Europäische Zentralbank? Der ist's wurscht – für sie gilt allein der englischsprachige Originaltext. 
    Die vollständige Übersetzungskritik können Sie in der FAZ lesen. [Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.]


Die Bundesbank-Hauptverwaltung in Frankfurt am Main

[Text: Richard Schneider. Quelle: FAZ, 2004-09-11. Bild: Archiv, Bundesbank-Pressestelle. www.uebersetzerportal.de]


Die EZB in Frankfurt