2004-09-13
Deutsche Literatur im Ausland auf verlorenem Posten? Gelungenes Debüt für Frankfurter Literaturbiennale
Ein gelungenes Debüt feierte die vom Frankfurter Literaturhaus ausgerichtete erste Frankfurter Literaturbiennale vom 9. bis 11. September. Autoren, Verleger, Übersetzer und Kritiker diskutierten das zentrale Thema „deutschsprachige Literatur im Ausland“. Erstmals wurde der mit 25.000 Euro dotierte DekaBank-Preis verliehen. Preisträger ist der in Deutschland geborene und in London lebende Lyriker und Übersetzer Michael Hofmann. Er hat u.a. Arbeiten von Patrick Süskind und Durs Grünbein ins Englische übersetzt.
    Nach Angaben von Maria Gazzetti, der Leiterin des Literaturhauses, spielt die deutsche Literatur derzeit im Ausland keine große Rolle. Sie stehe immer noch im Ruf, schwierig, unsympathisch, langweilig und wenig erzählerisch zu sein. Doch das stimme nicht. „Wir wollen mit dem Preis und der Veranstaltung die Verantwortlichen im Ausland ermutigen, deutsche Gegenwartsliteratur zu fördern“, so Gazzetti.
    Am Samstag berichteten ausländische Verleger und Lektoren über ihre Erfahrungen. Die deutschsprachige Literatur erlebe in Spanien derzeit einen Aufschwung. In Brasilien stehe sie hingegen auf verlorenem Posten, die Publikation von Autoren wie Böll, Handke oder Frisch sei dort von den Verlagen bereits aufgegeben worden. In Dänemark sehe es ebenfalls nicht rosig aus. Frankreich könne zwar steigende Zahlen von Übersetzungen aus dem Deutschen vermelden, aber die französischen Feuilletons und Leser trauten der deutschen Literatur nichts zu. Der englischsprachige Markt bleibe für deutsche Literatur hermetisch verschlossen. Die amerikanische Leserschaft sei zwar nicht fremden- aber fremdsprachenfeindlich. Die Leser interessiere nicht das Buch, sondern nur die Person des Autors.
    Die Literaturbiennale soll künftig alle zwei Jahre stattfinden, der Preis wird aber jährlich verliehen. Einen ausführlichen Artikel können Sie in der Frankfurter Rundschau lesen. (Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.)


Im Lesesaal des Frankfurter Literaturhauses

[Text: Richard Schneider. Bild: Literaturhaus Frankfurt. www.uebersetzerportal.de]