2004-09-28
Übersetzungsstau bei FBI und Spionageabwehr: 493.000 Stunden fremdsprachige Telefonate noch nicht ausgewertet
Aus einem Untersuchungsbericht von Generalinspekteur Glenn A. Fine für das US-Justizministerium geht hervor, dass sich bei der Bundespolizei FBI 123.000 Stunden abgehörter fremdsprachiger Telefonate aufgestaut haben, die noch nicht übersetzt werden konnten. Das entspricht rund 30 Prozent aller zwischen September 2001 und April 2004 vom FBI aufgezeichneten fremdsprachigen Telefongespräche. Hinzu kommen weitere 370.000 Stunden fremdsprachiger Telefongespräche, die von der Spionageabwehr aufgenommen wurden. Als Grund für den Rückstand nennt der Bericht den großen Mangel an qualifizierten Übersetzern. 
    Dabei ist das Budget der Übersetzungsabteilungen des FBI nach dem 11. September deutlich erhöht worden: von 21,5 Mio. US-Dollar 2001 auf 70 Mio. im Jahr 2004. Die Zahl der Übersetzer wurde von 883 auf 1.214 aufgestockt. Dies betrifft vor allem die Sprachen Arabisch, Paschtu, Farsi und Urdu, in geringerem Umfang aber auch Türkisch, Kurdisch, Koreanisch, Französisch, Russisch und Chinesisch.
    Dass die Übersetzer mit der Auswertung nicht nachkommen, liegt daran, dass sich das Arbeitsvolumen enorm erhöht hat. Das FBI zapft so viele Telefone an wie nie zuvor. Dadurch will man Terroristen rechtzeitig auf die Spur kommen und Pannen wie vor dem 11. September 2001 vermeiden. Damals waren Al-Kaida-Gespräche mit dem Wortlaut „morgen ist die Stunde null“ und „das Spiel geht los“ zu spät übersetzt worden, um als Warnung dienen zu können. 
    Nach Verabschiedung des Patriot Acts darf auch ohne konkreten Verdacht abgehört und mitgeschnitten werden. Vorgeschrieben ist zudem, dass Gespräche mutmaßlicher Terroristen innerhalb von 12 Stunden übersetzt sein müssen. Das ist in einem Drittel der von Fine untersuchten 900 Fälle nicht der Fall gewesen. In 50 Fällen hatte die Übersetzung mehr als einen Monat gedauert.
    Schwachstellen gibt es laut Bericht auch bei der Qualitätssicherung. Die eigentlich obligatorische regelmäßige Prüfung neu eingestellter Übersetzer sei im vergangenen Jahr vielfach ignoriert worden.
[Text: Richard Schneider.  www.uebersetzerportal.de]

Glenn A. Fine