2004-10-06
Branchenprominenz eröffnet Übersetzer-Zentrum auf Frankfurter Buchmesse
Heute um 16.00 Uhr war es so weit: Buchmessen-Direktor Volker Neumann, die Präsidentinnen der Übersetzerverbände VdÜ, Helga Pfetsch, und BDÜ, Barbara Böer Alves, Arabischübersetzer Hartmut Fähndrich sowie als besonderer Gast die Wiener Literaturkritikerin Sigrid Löffler eröffneten mit kurzen Ansprachen das Übersetzer-Zentrum.
    Der großzügig dimensionierte Stand E 963 in Halle 5.0 bietet den Buchübersetzern und ihren Organisationen eine Präsentations- und Arbeitsfläche, die sich sonst nur florierende Großverlage leisten können. Finanziert wird das Zentrum von der Frankfurter Buchmesse und dem Auswärtigen Amt, dessen Chef Joschka Fischer sich in seiner Jugend selbst als Übersetzer versuchte. Untermieter im Übersetzer-Zentrum sind die Partnerorganisationen VdÜ, BDÜ, EÜK, LCB (Literarisches Colloquium Berlin), Deutscher Übersetzerfonds, Goethe-Institut, LITPROM (Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika), UNESCO (Clearing House for Literary Translation) und RÉCIT (Réseau européen des centres internationaux des traducteurs littéraires).
    Was hat sich im Vergleich zum Vorjahr geändert? Die Geräuschkulisse hat sich beruhigt, denn das lärmende Messekino wurde in eine andere Halle verbannt. Nun ist auch in den hinteren Reihen des Vortragsbereichs ein entspannter Hörgenuss möglich. Der BDÜ hat seinen Stand dieses Jahr dort, wo er hingehört, nämlich im Übersetzer-Zentrum. Letztes Jahr war er noch in einer anderen Halle untergebracht. Und die dominierende Farbe des Zentrums ist nicht mehr Himmelblau, sondern Orange.
    Volker Neumann, unter dessen Regie das Übersetzer-Zentrum vergangenes Jahr eingerichtet wurde, wird die Buchmesse nächstes Jahr verlassen. Ab 2006 wird also auf jeden Fall ein neuer Leiter das Sagen haben, der vielleicht andere Akzente setzen wird. Wie zu hören war, ist die Existenz des Übersetzer-Zentrums dadurch aber nicht gefährdet. Denn es wurde bereits letztes Jahr so gut angenommen, dass man sich fragt, warum nicht schon Jahrzehnte früher diese Lücke im Angebot der Buchmesse geschlossen wurde.
    Was am ersten Messetag sonst noch geschah: Bei Langenscheidt stellte Comedian Mario Barth seinen Sprachführer Deutsch – Frau, Frau – Deutsch vor, der „schnelle Hilfe für den ratlosen Mann“ verspricht.
    Und wie zu erwarten belästigten Gegner der Rechtschreibreform die Messegäste mit einem „Frankfurter Appell“. Darin fordern sie die Ministerpräsidenten und Kultusminister der Länder zur Rücknahme des Regelwerks auf. Zu den Unterzeichnern gehören Hans Magnus Enzensberger, Klaus von Dohnanyi, Günter Grass, Siegfried Lenz, Marcel Reich-Ranicki, Martin Walser und andere Rentner, die auf ihre alten Tage verständlicherweise nicht mehr umlernen möchten.

Links zum Thema
2004-08-25 Frankfurter Buchmesse 2004: Veranstaltungsprogramm des Übersetzer-Zentrums
2004-08-22 Neu bei Langenscheidt: Sprachführer Deutsch-Frau/Frau-Deutsch von Mario Barth
2004-07-17 Jugendsünden? Joschka Fischer als Übersetzer „schmuddeliger Romane“
[Text: Richard Schneider. Bild: Frankfurter Buchmesse, VdÜ, BDÜ, qantara.de, Münchner Literaturhaus. www.uebersetzerportal.de]


Volker Neumann


Helga Pfetsch


Barbara Böer Alves


Hartmut Fähndrich


Sigrid Löffler