2005-01-05
Germersheim: Französische Dolmetscherin von Zug überrollt. Wahrscheinlich Mord
Eine in Germersheim (Rheinland-Pfalz) wohnende Diplom-Dolmetscherin ist am 03.01.2005 am späten Abend an der Bahnstrecke Germersheim – Bellheim in Höhe des verfallenen ehemaligen Bahnwärterhäuschens tot neben den Gleisen liegend gefunden worden. Der Oberkörper der 35-jährigen Französin wurde von einem Nahverkehrszug überrollt. Neben der Frau lag, ebenfalls tot, ihr Labrador-Hund.
    Da die Germersheimer Polizei Zweifel an dem zunächst vermuteten Unfall oder Selbstmord hatte, wurde die Mordkommission eingeschaltet. Eine im Institut für Rechtsmedizin in Mainz durchgeführte Obduktion erbrachte eindeutige Hinweise auf eine massive Gewalteinwirkung auf den Hinterkopf und Würgemale am Hals. Zusammen mit Spuren vor Ort deutet dies darauf hin, dass die vermutlich bewusstlos geschlagene oder gewürgte Frau in Tötungsabsicht auf die Gleise gelegt worden war. 
    Der Gerichtsmediziner vermutet den Todeszeitpunkt zwischen 20.00 Uhr und 20.20 Uhr. Ob die Frau noch lebte, als sie vom Zug überrollt wurde, ist unklar. Die Bahnstrecke musste für zwei Stunden gesperrt werden.
    Der Tat verdächtigt wird ein 20-jähriger Freund der Frau, ein in Wilhelmshaven (Niedersachsen) lebender russischstämmiger Kampfsporttrainer, der einen Tag nach dem Vorfall an seinem Wohnort verhaftet und in die Pfalz gebracht wurde. Er verweigert die Aussage. Dennoch sind die Ermittler sicher, ihn „anhand einer Vielzahl von Spuren und Indizien zweifelsfrei überführen zu können“. Die Dolmetscherin hatte mit dem Verdächtigen nach der Trennung von ihrem Ehemann Ende 2003 zeitweilig in Wilhelmshaven zusammengewohnt.
    In der Kleinstadt Germersheim am Rhein befindet sich die mit 2.200 Studenten weltweit größte Ausbildungsstätte für Dolmetscher und Übersetzer.
[Text: Richard Schneider. Quelle: PM Kriminaldirektion Ludwigshafen, 2005-01-05. Bild: Archiv. www.uebersetzerportal.de]