2005-01-17
„Ein einsamer Job.“ Brigitte Young Miss stellt den Beruf der Dolmetscherin/Übersetzerin vor
Die Frauenzeitschrift Brigitte Young Miss (Auflage: 151.000) informiert ihre jugendlichen Leserinnen auf ihrer Website neben den für Frauen offenbar an erster Stelle stehenden Themen „Mode und Schönheit“ sowie „Liebe und Gefühle“ auch über den Bereich „Job und Ausbildung“ (immerhin noch vor „Reise und Events“ und „Shopping“). Eine Datenbank enthält 300 Jobprofile, darunter auch die der Dolmetscherin und Übersetzerin.

Dolmetscherin
Die Berufspraxis wird anhand einer freiberuflich in den USA arbeitenden Deutschen geschildert: „Meist hat sie eine 60-Stunden-Woche, viele ihrer Jobs werden über eine Agentur vermittelt.“ Über das Gerichtsdolmetschen sagt die Dolmetscherin: „Neutral zu bleiben ist eine der größten Herausforderungen in diesem Job.“ 
    Zum Thema Ausbildung lesen wir: „In Deutschland bieten mehrere Universitäten Diplom-Studiengänge zur Dolmetscherin an.“
    Auch der Verdienst wird nicht verschwiegen: „Die meisten Simultandolmetscherinnen arbeiten freiberuflich. Der Tagessatz liegt zwischen 613.55 und 766.90 Euro, die Zeit für die Vorbereitung – etwa auf die Inhalte eines Fachkongresses wird nicht extra bezahlt. Der Stundensatz für Gerichtsdolmetscherinnen ist gesetzlich geregelt und liegt zwischen 25.60 und 51.10 Euro. Angestellte erhalten ein Monatsbruttogehalt von 3.032 bis 3.487 Euro.“
    Als Adressen für weiterführende Informationen werden genannt: „Bund Deutscher Übersetzer [sic] (BDÜ), Rüdigerstraße 79a, 53179 Bonn, www.bdue.de; www.arbeitsamt.de; www.hochschulkompass.hrk.de.“
    Ein zutreffendes Jobporträt, bei dem allerdings Name und Anschrift des BDÜ korrigiert bzw. aktualisiert werden sollten.

Übersetzerin
Zwar heißt es zu Beginn „sie übersetzt problemlos Wörter wie Stahlturbine (gemeint ist wahrscheinlich eine St_r_ahlturbine) oder Haftverschonung“, aber danach geht es ausschließlich um das Literaturübersetzen. Als Beispiel dient eine Berlinerin: „Ulrike ist Profi, hat den Diplomstudiengang Literaturübersetzen an der Düsseldorfer Uni absolviert.“
    Es wird darauf hingewiesen, dass Übersetzer meistens frei arbeiten, und dass es sich um ein hartes Geschäft handelt, „denn Freie gibt's wie Sand am Meer“. Die Berlinerin erklärt: „Das Übersetzen ist ein einsamer Job.“ Trotzdem gefalle ihr die Arbeit sehr.
    Zur Ausbildung wird auf nicht näher bezeichnete „20 deutsche Unis und Fachhochschulen“ verwiesen. Die Verdienstmöglichkeiten werden auf „durchschnittlich etwa 15 Euro pro übersetzter Manuskriptseite“ beziffert.
    Abschließend werden die Links www.arbeitsamt.de und www.hochschulkompass.hrk.de angeführt.
    Das zur Illustration verwendete Foto stellt hoffentlich keinen Übersetzerinnenarbeitsplatz dar. Bei diesem Jobprofil fehlt der deutliche Hinweis, dass alle Angaben nur für das Literaturübersetzen gelten, eine schlecht bezahlte Sonderform des Übersetzens, die keineswegs für die Arbeit der rund 20.000 Übersetzer im deutschsprachigen Raum typisch ist. Die wichtigste Anlaufstelle für Literaturübersetzer, das vom VdÜ betriebene Angebot unter www.literaturuebersetzer.de, wird nicht genannt.
    Die genannten Jobprofile finden Sie unter www.youngmiss.de.
[Text: Richard Schneider. Quelle: www.youngmiss.de, 2005-01-16. Bild: Young Miss.] www.uebersetzerportal.de