2005-01-25
Ulrike Flach legt Bundestags- und Parteiämter nieder
Die FDP-Bundestagsabgeordnete Ulrike Flach (54), bezog bis Ende 2004 ein doppeltes Einkommen als Abgeordnete und Übersetzerin bei Siemens. Deshalb war sie in die Kritik geraten. Gestern teilte sie Folgendes mit:
Ich lege mit sofortiger Wirkung meinen Vorsitz im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages nieder, sowie mein Amt als stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen nieder.
    Die Diskussionen um meine Person enden nicht, ich habe es nicht vermocht meine Nebentätigkeit als Übersetzerin bei der Firma Siemens der Öffentlichkeit zu vermitteln.
    Um Schaden von meiner Familie, meinem Ausschuss, meiner Fraktion, der Partei, sowie der Firma Siemens abzuwenden, habe ich mich zu diesem Schritt mit sofortiger Wirkung entschlossen.
    Ich war für die Firma Siemens seit Jahrzehnten als Übersetzerin tätig und habe diese Tätigkeit auch während meiner Zeit im Bundestag weitergeführt. Da – wie ich immer auch betont habe – meine Übersetzungstätigkeit für Siemens in den letzten Jahren weniger wurde, haben wir bereits im Herbst 2004 vereinbart, das Arbeitsverhältnis ab diesem Jahr ruhen zu lassen.
    Ich habe mein Arbeitsverhältnis stets transparent gemacht und im Handbuch des Bundestages klar angegeben. Auch über die Höhe des Gehaltes habe ich keinen Zweifel gelassen. Ich möchte betonen, dass es seitens des Unternehmens niemals den Versuch gegeben hat, Einfluss auf mich oder meine politischen Entscheidungen zu nehmen.
    Ich musste erkennen, dass die öffentliche Debatte trotzdem anders verläuft. Aus Rücksicht auf die in schwierigen Wahlkämpfen stehenden Landesverbände habe ich mich zu diesem Rücktritt entschlossen.
Unser Kommentar: Schade, schade, schade. Ulrike Flach gehört nicht zu den beliebig austauschbaren Apparatschiks und Sesselfurzern im Parlament. Der Bilderbuchkarriere als Übersetzerin (Abschluss in Germersheim, dann 24 Jahre Übersetzerin bei Siemens mit zuletzt einem Jahresgehalt von 60.000 Euro) ließ sie eine Bilderbuchkarriere als Politikerin folgen. Der Rücktritt ist ein Rückschlag, bedeutet aber nicht das Ende ihrer politischen Laufbahn. Jetzt heißt es erst einmal ein Jahr lang den Kopf einziehen und Buße tun. Danach kann es in anderen Funktionen weitergehen. Die FDP scheint jedenfalls noch viel mit ihr vorzuhaben. Und nicht nur die freien Demokraten, sondern auch die Übersetzer und Dolmetscher brauchen eine Vertreterin wie Ulrike Flach im Deutschen Bundestag.

Links zum Thema
2005-01-16 Wettig-Danielmeier, Pieper, Flach, Schäfer, Kopp, Lietz: Unsere Vertreter im Deutschen Bundestag
2005-01-04 Berliner Zeitung zum Fall Flach: „Ein gut ausgebildeter Übersetzer darf hier zu Lande auch etwas verdienen.“
2004-12-31 Dipl.-Übers. Ulrike Flach erhält zusätzlich zu Abgeordnetendiäten volles Gehalt von Siemens
2002-10-22 Diplom-Übersetzerin Ulrike Flach mögliche Nachfolgerin von Jürgen Möllemann
[Text: Richard Schneider. Bild: Bundestag.] www.uebersetzerportal.de


Ulrike Flach